Kino

Andy Goldsworthy – Leaning into the wind.

  • Thomas Riedelsheimer begleitet den Land-Art-Künstler ein weiteres Mal mit der Kamera.
  • R: Thomas Riedelsheimer – M: Fred Frith – Großbritannien 2017, L: 92 Min.

Wie eine Figur von Caspar David Friedrich zeigt Thomas Riedelsheimers Kamera einmal den Held des Films: von hinten hoch oben auf einer Bergkuppe, den Blick unter der breiten Krempe des Huts in eine Hügellandschaft schweifend. Nur die Kettensäge nebenan deutet auf moderne Zeiten, bleibt in dieser Episode aber unbenutzt. Eine der weiteren Szenen in diesem trotz vieler Emotionen erfreulich unaufgeregten Films, zeigt Andy Goldsworthy bei seinem künstlerischen Tagwerk: mal allein ganz vorsichtig mit Blättern und Gräsern hantierend, mal im Team mit schweren Gerät, wie in Spanien, wo mit  Baggern und Schlaghämmern große Steinblöcke ausgehöhlt werden zu Skulpturen zwischen Wanne, Bett und Sarg – in die man sich legen kann. Die körperliche Seite der Arbeit bedeute ihm viel, sagt der Künstler, der vor seinem Kunststudium viele Jahre in der Landwirtschaft gearbeitet hat. Doch auch sein Naturbegriff habe sich erweitert: er geht in die Stadt und beklebt Gehwege mit Bändern aus roten Blättern. Dort findet er erstmals ein direktes Publikum. Aber der Film, Riedelsheimers Arbeit zeigt es sehr deutlich, ist wohl eigentlich das angemessenere Medium, um die künstlerische Arbeit auch in ihrer Prozesshaftigkeit festzuhalten. Und was hinzukommt: Fred Friths diskreter Soundtrack lässt die Grenzen zwischen vorgefundenem Klang und Komposition ähnlich schön verfließen wie Goldsworthys Kunst.