Kino

Die Flügel der Menschen / OmU

  • Der Traum vom Reiten und die Momente absoluter Freiheit.
  • R+B: Aktan Arym Kubat – 2016, L: 89 Min.

Centaur lebt mit seiner taubstummen Frau und seinem fünfjährigen Sohn in den kirgisischen Bergen. Früher war er Filmvorführer, dann wurde das Dorfkino zur Moschee. Unglücklich darüber, dass die Pferde, einst Sinnbild für den Freiheitsdrang seines Volkes, zur Ware geraten sind, stiehlt er nachts die edelsten Tiere der Oligarchen, um sie frei zu lassen. In weiten Tableaus von wilder Landschaft hängt der Film einem Kirgisistan nach, das es nur noch in alten Naturmythen gibt. Centaur ist ein Idealist, ein Träumer, der gegen den Zeitenstrom der neuen Kapitalisten und Islamisten schwimmt. Der sechste Spielfilm des kirgisischen Regisseurs Aktan Arym Kubat ist eine melancholische Klage über den Wandel der Zeiten und den Verlust der Unschuld: „Wir haben unsere Flügel, unseren Geist verloren“ sagt Centaur – und der Friseur des Dorfes rät ihm, seine Ideale mit zur Schau getragener Einfältigkeit zu tarnen. So wie bereits den Titelhelden seines 2010 entstandenen Films „Der Dieb des Lichts“ spielt der Regisseur nun auch den Pferdedieb selbst. Ein Heimatfilm von leiser, märchenhafter Poesie – aber auch von magischem Realismus.