Theater

Die Verwandlung

  • Schauspiel nach der Erzählung von Franz Kafka
  • Landestheater Tübingen
  • Carina Riedl Regie

In Kafkas berühmter Erzählung wird das Ungeheuerliche ganz lapidar mitgeteilt: »Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheurem Ungeziefer verwandelt.« Merkwürdigerweise scheint Gregor diese Verwandlung nicht zu erschrecken, Angst macht ihm eigentlich nur der Gedanke, dass er seinen Dienst verschlafen hat und er daher entlassen werden wird. Während Gregor die neue Situation annimmt und sogar Gefallen findet am nutzlosen Müßiggang, sorgt diese Metamorphose in seiner Familie für Angst und Schrecken. Mobilität, Anpassung und Arbeitseifer, alles Eigenschaften, die Gregor bisher auszeichneten, sind verloren gegangen. Aus einem vertrauten Menschen ist über Nacht ein sozialer Fremdkörper geworden, der der verschuldeten Familie die Existenzgrundlage entzieht und ein normales Zusammenleben unmöglich macht. Deshalb gibt es in ihren Augen nur eine Lösung: Das Untier muss weg!

Frank Kafkas »Die Verwandlung« (1912) zählt zu den großen Erzählungen der Weltliteratur. Sie handelt auf ebenso unheimliche wie komische Weise von einem Menschen, der von heute auf morgen aufhört zu »funktionieren« und damit augenscheinlich seinen Wert für die Gesellschaft einbüßt. Die Geschichte des Außenseiters Gregor Samsa stellt die Frage nach der menschlichen Identität und der Möglichkeit, sich selbst zu begreifen und anzunehmen. Was macht den Menschen zum Menschen? Können und wollen wir mit Menschen leben, die ganz anders sind als wir?