Theater

Effi Briest

  • Nach dem Roman von Theodor Fontane
  • Landestheater Schwaben
  • Pia Richter Inszenierung
  • Mit Elisabeth Hütter, Jens Schnarre, Fridtjof Stolzenwald und André Stuchlik

Theodor Fontanes Effi Briest, lebhaft und charismatisch, ist hin- und hergerissen zwischen den eigenen Sehnsüchten und Vorstellungen für ihr Leben und einer Gesellschaft, die für ihre Mitglieder strikte Lebenspläne und Verhaltensregeln vorsieht. Effis Konflikt ist leider immer noch aktuell.
„Nicht so wild, Effi, nicht so leidenschaftlich“, tadelt die Mutter die lebenslustige Tochter, die ihre Schaukel über alles liebt und vielleicht sogar Kunstreiterin werden möchte. Stattdessen aber erfüllt Effi den Lebenstraum ihrer Mutter und heiratet deren Jugendliebe Baron von Instetten, der doppelt so alt ist wie Effi. Instetten ist ein Pedant, ein Langweiler, der seine junge Frau mit Spukgeschichten unter der Fuchtel hält. Hatte Effi sich das Leben als Ehefrau glamourös und aufregend erträumt, wird sie nun schrecklich enttäuscht: Im muffigen Landhaus in Kessin vereinsamt die junge Frau zunehmend und fängt schließlich eine Affäre mit dem attraktiven Major Crampas an. Auch das macht nicht wirklich glücklich, und Effi beginnt sich desillusioniert in das „falsche Leben“ einer oberflächlichen Gesellschaft zu fügen. Doch Jahre später holt ihre Vergangenheit sie ein: Instetten erfährt von der lange beendeten Affäre und kann aus fanatischem Ehrgefühl nicht vergeben. Er fordert Crampas zum Racheduell heraus – mit dramatischen Folgen für alle Beteiligten.
Die junge Regisseurin, Pia Richter, zeigt keine nostalgische Effi-Adaption, sondern zwängt die Figuren in eine graue Bühnenenge, die mehr steril als heimelig ist. Sie schält Fontane bis auf den Kern der genannten Konflikte seiner Protagonistin. Moderner, abstrakter und aktueller kann man Effi Briest nicht inszenieren. Am Ende ihres Schauspielregiestudiums an der Otto-Falkenberg-Schule hat Pia Richter mit Elfriede Jelineks „Ulrike Maria Stuart“ im Werkraum der Münchner Kammerspiele für eine vielbeachtete Abschlussregie gesorgt.