Theater

König Lear

  • Tragödie von William Shakespeare
  • Neues Globe Theater
  • Kai Frederic Schrickel Regie

Der König ist alt geworden, auf alles will er verzichten: Auf Macht, Politik, Verwaltung, seine Untertanen. Einzig auf den Titel und seinen Namen besteht er: König Lear. Das Reich teilt er in drei Teile, jede seiner Töchter soll einen davon erhalten, seine liebste Tochter Cordelia jedoch das schönste Drittel. Einzige Bedingung an die Drei: Sie sollen ihre Liebe zum Vater bekunden, aussprechen, wer von ihnen den Vater am meisten liebt. Während sich die älteren Schwestern Goneril und Regan im Schönreden zu übertrumpfen suchen, gibt Cordelia sich geschlagen: Nicht mit Worten liebe sie den Vater, sondern mit dem Herzen, wahrhaftig, ehrlich und direkt. So, wie eine Tochter ihren Vater lieben muss. Nicht mehr, nicht weniger. Für den König aber ist das zu wenig.

Das Ensemble des Neuen Globe hat sich in all ihren Produktionen eine freche, im ursprünglichen Sinn komödiantische Spielfreude zu eigen gemacht. In der Tradition des Elisabethanischen Theaters bringt es den Lear mit einem All-Male-Ensemble auf die Bühne. Acht Männer (!!) spielen 14 Rollen, beschwören die Elemente, lassen Sturm, Donner und Orkan vor den Augen und Ohren der Zuschauer entstehen und stürzen sich wie damals in wilde Kämpfe und Gefechte. Die Darstellung des Königs bewegt sich zwischen Altersstarrsinn und Demenz. Wer eine gediegene Inszenierung erwartet, wird vielleicht enttäuscht, wer aber Freude an den früheren Abenden mit der Truppe, die sich vormals Shakespeare und Partner nannte, wie etwa der „Komödie der Irrungen“, hatte, kann einen extravaganten Theaterabend in bester Shakespearemanie genießen.