Kino

Lucky

  • Der wunderbare Harry Dean Stanton gibt eine unvergessliche letzte Vorstellung.
  • R+B+K: John Carroll Lynch – D: Harry Dean Stanton, David Lynch, Ron Livingston, Ed Begley, Tom Skerritt – USA 2017, L:88 Min.

Er sieht aus wie eine zerknitterte Version des Marlboro Man, heißt aber Lucky und raucht „American Spirits“. Ein ganzes Päckchen, Rauch konserviert ja bekanntlich. Lucky ist um die 90 und hat sich bisher nie ums Alter sorgen müssen. Er trinkt jeden Morgen ein Glas Milch und macht während der Frühstückszigarette fünf Yogaübungen. Manchmal geht er ins Café, abends immer in die örtliche Bar. Mehr geschieht eigentlich nicht in diesem Film, der nach seinem Helden benannt ist, und doch bedeutet dieses Wenige die Welt. Stanton starb im September 2017, ein halbes Jahr nach der Weltpremiere seiner letzten großen Vorstellung. Seinem Schauspielkollegen John Carroll Lynch ist mit diesem Regiedebüt ein großartiger, kleiner Film gelungen. Als stiller Beobachter lässt er Harry Dean Stanton den nötigen Freiraum für kleinste Gesten und Gesichtsregungen, um seine minimalistische und nuancierte Performance zu entfalten. Der Film ist eine Liebeserklärung an Stantons unaufgeregtes Leben als oft übersehener Charakterdarsteller. Übersehen jedoch nur, weil dies seine erste Hauptrolle seit „Paris,Texas“ von Wim Wenders ist. Das war 1984, und doch hat er zu Recht eine liebevolle Fanbase, die ihn als Brett in „Alien“ feierte, der noch schnell die Katze vor dem außerirdischen Wesen retten wollte, oder als mürrischen Campingplatzbesitzer in David Lynchs Serie „Twin Peaks“. In deren Neuauflage sang er herzzerreißend von einer verflossenen Liebe. In LUCKY hallt dieser Song in einem Mundharmonikariff wider, das er selbst spielt. Und es gibt eine wunderbare Szene mit David Lynch, in der sie über Freundschaft philosophieren und einer entlaufenen Schildkröte, die „Präsident Roosevelt“ hieß, nachtrauern. Was für ein schöner Film!