Theater

Sokrates und die Hebammenkunst

  • Landsberger Sommertheater
  • von Ioan C. Toma
Bei schlechtem Wetter oder aufziehendem Gewitter findet die Vorstellung im Theatersaal statt.
  • Ioan C. Toma Regie
  • Es spielen Konstantin Moreth, Matthias Bartels, Florian Werner

Zum Jubiläum des Stadttheaters zeigt der Regisseur Ioan C. Toma sein antikes Theater-Kabarett-Stück „Sokrates und die Hebammenkunst“ nach Texten von Platon in der alten Übersetzung von Schleiermacher. Die alten Texte werden erschreckend aktuell. Wer denkt bei dialogischer Wahrheitssuche nicht an Fake News oder bei machtpolitischer Skrupellosigkeit nicht an das ein oder andere Staatsoberhaupt. Ein detektivisches Frage-Antwort-Spiel, bei dem die Wahrheit gesucht wird und viele über Dinge reden, von denen sie nichts wissen. Doch es ist gefährlich das nachzuweisen. So schafft sich Sokrates Feinde und wird angeklagt.

Einführend behandelt Sokrates mit Hippias die Frage nach dem Schönen. Hier tritt der große Philosoph erst noch als Stellvertreter auf und gibt vor, von einem Freund gefragt worden zu sein. Trotzdem ist der arme Hippias von der Gesprächsführung völlig überfordert. Dann beginnt mit der Apologie, der großen Verteidigungsrede des Sokrates, die eigentliche Rahmenhandlung des Stückes. Das Orakel in Delphi hat ihm bescheinigt, der Weiseste zu sein. Jetzt legt sich Sokrates mit den Klügsten seiner Zeit an und erörtert ihnen, dass sie zwar glauben, weise zu sein, tatsächlich aber nichts wissen. Er jedoch besitzt wenigstens diese Kenntnis. Im Dialog mit Menon kommt die Hebammenkunst zum Einsatz, mit deren Hilfe Sokrates das Erkenn und Lehren exerziert. Es geht um die Lehrbarkeit von Tugend und bereits hier klingen die radikalen ethischen Grundsätze des Philosophen an. Im folgenden Streit mit den Sophisten kippt die Methodik und Sokrates quält die beiden regelrecht mit fast satirischen Syllogismen. Doch dann wird es gefährlich. Den nicht mehr ganz nüchternen Polos kann Sokrates noch vorführen, beim Streit mit Kallikles jedoch bleibt Sokrates zwar rhetorisch und moralisch der verdiente Sieger, vor der Anklage und Verurteilung bewahrt es ihn nicht. Doch will er das überhaupt? Er setzt gegen Machtgeilheit und Skrupellosigkeit die radikale Überzeugung, dass es besser ist Unrecht zu leiden, als zu tun. Darum zerlegt er zwar mit der abschließenden Apologie die Anklage, nimmt aber dennoch das Todesurteil an.

Ein ungewöhnlicher Zugang zu den Platonischen Dialogen, der Philosophie und der Kunst des Streites wird mit diesem Stück im agoraähnlichen Theatergarten geboten. Texte aus der Zeit der Entstehung des Theaters an sich zum Jubiläum des Landsberger Theaters. Wie die Texte wird auch die Ausstattung von Bonnie Tillemann und Karl-Heinz Kappl in das Hier und Jetzt übertragen, behält aber zum Teil auch seinen antiken Charakter. Konstantin Moreth verkörpert den Sokrates, seine Dialogpartner und Widersacher spielen wechselnd Matthias Bartels und Theaterleiter Florian Werner. Als Kind im Menon wirkt Lena Praßler mit.Sokrates

Philosophische Kenntnisse sind keine Voraussetzung, dass Stück zu genießen. Es ist das, was Theater immer sein sollte: Geistige Herausforderung, sinnliche Erfahrung und gute Unterhaltung. Bei schlechtem Wetter oder aufziehendem Gewitter findet die Vorstellung im Theatersaal statt.