Theater

Am Rande der Welt

  • Zwei Novellen von Arthur Schnitzler (Leutnant Gustl und Fräulein Else) in einem Theaterabend
  • Stückfassung: Hannah und Konstantin Moreth
  • Konstantin Moreth Inszenierung
  • Hannah und Konstantin Moreth Schaupiel

Die jugendliche Else, die in den Dolomiten einen sorgenfreien Urlaub verbringen möchte, erhält einen Brief von ihrer Mutter, indem sie ihr mitteilt, dass die Familie vor dem finanziellen Ruin steht. Else könne jedoch den drohenden Bankrott abwenden wenn sie, so der Vorschlag, einen im selben Ferienort weilenden, Geschäftsfreund des Vaters um die nötige Summe bitte. Als sie dies tut, verlangt dieser als Gegenleistung, Else 15 Minuten nackt betrachten zu dürfen. Diese Forderung stürzt Else in einen schweren Gewissenskonflikt. Im Anschluss an ein abendliches Konzert, das er gelangweilt verfolgt hat, gerät Leutnant Gustl in einen Streit mit dem ihm bekannten Bäckermeister Habetswallner. Gustl will seinen Säbel ziehen, wird aber durch den körperlich überlegenen Kontrahenten daran gehindert und als „dummer Bub“ beschimpft. Dem militärischen Ehrenkodex verhaftet, beschließt er, am nächsten Morgen um sieben Uhr Selbstmord zu begehen. Psychologisch schlüssig öffnet Schnitzler den Blick in die Köpfe dieser jungen Menschen und lässt uns an ihrem Seelenleben, ihren Träumen und Nöten teilhaben.

Zwischen den beiden Erzählungen Arthur Schnitzlers, „Leutnant Gustl“ und „Fräulein Else“, liegen 23 Jahre: Der innere Monolog des Leutnants – der erste seiner Art in der deutschsprachigen Literatur – stammt von 1901; die Gedanken der höheren Tochter Else, deren Vater ein der Spielleidenschaft verfallener Rechtsanwalt ist, stammen aus dem Jahr 1924. Beide spielen in Wien oder im Magnetfeld Wiens, zwischen beiden liegt die Zäsur des Untergangs der Donau-Monarchie. Schnitzlers Texte erweisen sich als äußerst zeitgemäß, betrachtet man nur die aktuelle Debatte um sexuelle Dominanz von Männern gegenüber Frauen. Ein übersteigertes Ehrgefühl, gar im militärischen Kontext, mag uns zwar heute antiquiert erscheinen, aber junge Männer, vielleicht noch mit mangelndem Selbstwertgefühl, die sich im Namen einer Sache, einer Ideologie indoktrinieren und fanatisieren lassen, kommen einem dann doch nicht ganz unbekannt vor.