Kino

Die schönsten Jahre eines Lebens

  • 52 Jahre nach „ein Mann und eine Frau“ inszeniert Claude Lelouch die Wiederbegegnung seines legendären Paars Jean-Louis Trintignant und Anouk Aimée.
  • R: Claude Lelouch – B: Claude Lelouch, Valérie Perrin – K: Robert Alazraki – M: Calegoro, Francis Lai – D: Anouk Aimée, Jean-Louis Trintignant – Frankreich 2019, L: 90 Min. FSK 6

Jedes Mal, wenn Anne ihn in dem Altenheim „Sitz des Stolzes“ besucht, muss sie sich Jean-Louis erneut vorstellen. Jedes Mal hält er sie für einen Neuzugang. Sie bleibt eine Unbekannte für ihn, mithin eine mögliche Eroberung. Aber zugleich scheint sie ihm vertraut: Ihr Blick und ihre Geste, mit der sie ihre Haarsträhne zurückstreift, wecken seine schönsten Erinnerungen. Das Vergessen ist das Wunder des Entdeckens. Vor einem halben Jahrhundert haben die zwei Filmgeschichte geschrieben, als sie sich am Strand von Deauville verliebten. Damals war sie ein Skriptgirl und er ein gefeierter Rennfahrer. Nun sitzt Jean-Louis im Rollstuhl. Sein fürsorglicher Sohn hat die Wiederbegegnung mit Anne eingefädelt. Sie zögert erst, denn es ging damals nicht gut aus mit ihnen. 1966 war „Ein Mann und eine Frau“ ein weltweites Phänomen: ein Wechselbad aus ungenierter Sentimentalität und dem Aufbruchsgeist der Nouvelle Vague, der die Goldene Palme in Cannes gewann sowie zwei Oscars. „Die schönsten Jahre des Lebens sind die, die man noch nicht erlebt hat“ lautet das Motto Victor Hugos, das Lelouch dem Film vorangestellt hat. Mit Furor arbeitet er daran, einer altmodischen Vorstellung von Charme, Gelanterie und Verzauberung im Kino wieder Glanz zu verleihen. Wie schön!