Kino

Enfant Terrible

  • Oskar Roehler verfilmt das Leben Rainer Werner Fassbinders als pures Melodram.
  • R: Oskar Roehler – B: Klaus Richter – M: Martin Todsharow – D: Oliver Masucci, Hary Prinz, Katja Riemann, Erdal Yildiz, Désirée Nick, Markus Hering, Frida-Lovisa Hamann, Felix Hellman, Lucas Gregorowicz, Eva Mattes, Sunnyi Melles, Simon Böer, André Hennicke, Alexander Scheer - Deutschland 2020, L:135 Min. FSK 16

Der Film zeigt in dramatischer Form und mit expressiver Bildsprache Episoden aus dem Leben Fassbinders, der in diesem Jahr 75 geworden wäre, und bringt dabei die vielen Facetten des Künstlers zu Geltung: vom genialen Dramatiker und Regisseur über den verzweifelt nach sich selbst und der Liebe Suchenden bis hin zum charismatischen Anführer, der seine Weg- und Lebensgefährten schikaniert und dazu antreibt, ein einzigartiges filmisches Werk zu schaffen. Der Anspruch Roehlers, sich mit seinem Film dem „Fassbinderschen Universum“ zu nähern, kommt in der effektvollen Licht- und Farbdramaturgie sowie dem Szenenbild Fassbinderscher Prägung zum Ausdruck. Vor allem aber in der Bedeutung, die dem Schauspiel als kollektive Leistung beigemessen wird: ein hochkarätiges Ensemble um den Fassbinder-Darsteller Oliver Masucci lässt die wichtigsten Akteure der von Fassbinder beeinflussten Richtung des Neuen Deutschen Films noch einmal auftreten – darunter einige, die selbst damals zum Fassbinderschen „Clan“ gehörten und nun den einstigen WeggefährtInnnen ihre Referenz erweisen. Zu Beginn zeigt der Film eine Liedzeile des von Jeanne Moreau gesungenen Chansons aus  Fassbinders letztem Film „Querelle“: „Each man kills the thing he loves“. Wow!