Kino

Sie Sehnsucht der Schwestern Gusmão

  • In diesem Film ist alles üppig, schön, schillernd. Und – märchenhaft grausam.
  • R: Karim Aïnouz – B: Murilo Hauser, Inés Bortagaray – K: Hélène Louvart – D: Julia Stockler, Carol Duarte, Flávia Gusmão, António Fonseca – Brasilen 2019, L: 139 Min. FSK 12

Eine höchst gefühlvoll erzählte Geschichte, in die man sich hineinfallen lassen kann, auch wenn immer wieder die Wut hochkommen kann bei der Betrachtung eines bürgerlichen Familienlebens in Rio de Janeiro, das ab 1951 seinen Lauf nimmt. In diesem Melodram porträtiert der brasilianisch-algerische Regisseur Karim Aïnouz nicht nur die steinigen Lebenswege zweier Schwestern, die durch das Zutun des unversöhnlichen Vaters auseinander gerissen werden, sondern zugleich die konservative brasilianische  Gesellschaft der 1950er Jahre. Der feinfühlige und in jeder Hinsicht intensive Film nach dem Roman “Die vielen Talente der Schwestern Gusmão“ von Martha Batalha erhielt beim Filmfestival in Cannes den Hauptpreis der Sektion “Un Certain Regard“. Ja, ein Film der großen Gefühle, der aber bei aller Opulenz nie die zentralen Charaktere und deren individuelle Einengung aus den Augen verliert. Ein starkes Stück Kino!