Kino

The Song of Names

  • Die Verfilmung des gleichnamigen Romans ist einer der schönsten, aber auch wehmütigsten Filme, die man dieses Jahr im Kino erleben kann.
  • R: François Girard – B: Jeffrey Caine – K: David Franco – M: Howard Shore - D: Tim Roth, Clive Owen, Catherine McCormack – Kanada, Deutschland, GB 2019, L: 113 Min. FSK 12

Der Titel bezieht sich auf ein jüdisches Ritual: Die Namen der Toten des Holocausts werden gesungen, um sie nicht zu vergessen. Erzählt wird die Geschichte von zwei Jungen, die wie Brüder aufwuchsen, aber der eine ein Genie mit der Violine, verschwand am Tag seines ersten großen Konzerts. Und der andere hat seitdem niemals die Suche nach ihm aufgegeben. Die Hauptfiguren Dovidl und Martin sind gebrochen. Dovidl, weil er das Schicksal seiner Familie nie verwunden hat, Martin, weil er das plötzliche Verschwinden des Bruders nie verarbeiten konnte. Ihrer beider Leben wurde aus der Bahn geworfen. Sie fanden Ihren Weg, aber nicht unbedingt den, den sie sich als junge Männer erträumt hatten. François Girard hat einen beeindruckenden Film aus der Romanvorlage gemacht. Er versteht es meisterhaft, mit drei Zeitebenen zu jonglieren, zeigt Martin und Dovidl als Kinder, als junge und als alte Männer – und jedes Mal sind sie unterschiedliche Menschen, weil das Leben sie verändert hat. Tim Roth und Clive Owen spielen hervorragend, aber auch die jüngeren Versionen ihrer Figuren sind exzellent besetzt. Das Finale ist ein Moment, der ein ganzes Leben beschreibt und der – zum besseren oder zum schlechteren – sowohl Martin als auch Dovidl den Frieden bringt, den sie so lange ersehnt haben.