Theater

Transit

  • Nach dem Roman von Anna Seghers
  • Landestheater Tübingen

Während des Zweiten Weltkrieges ist Marseille der letzte „freie“ Überseehafen und damit die letzte Chance für wartende Flüchtlinge. Zu Tausenden treffen sie in der Stadt ein, überwiegend Deutsche, die hoffen, dem wahnsinnigen Treiben der NS-Diktatur zu entkommen. Juden, aber auch Regimekritiker und Künstler. Entweder hier oder nirgends. Aber sie müssen warten – auf Aufenthaltsgenehmigungen, einen Schiffsfahrschein, einen neuen Pass, ein Transit-Visum. Und so drücken sie sich auf den Fluren der Konsulate herum, voller Hoffnung auf ein Schiff, das sie aus dem brennenden Europa wegbringt: Der Kapellmeister auf dem Weg nach Caracas, die Schriftstellerin auf der Flucht vor sich selbst, der Arzt und der Ich-Erzähler, der sich das Visum eines verstorbenen Schriftstellers angeeignet hat und an dessen Stelle er reisen will. Wäre da nicht Marie, die Frau des Toten… Im Chaos der Stadt, in den Cafés, auf der Jagd von Behörde zu Behörde kreuzen sich ihre Wege.

In „Transit“ sind es vor allem Deutsche, die sich auf der Flucht befinden – wie die Autorin Anna Seghers (1900 – 1983), die selbst 1941 über Marseille nach Mexiko floh. Der Roman, erschienen 1944 zunächst nur in englischer und spanischer Sprache, wirft Fragen auf, die heute noch aktuell sind: Was heißt es, sein Land verlassen zu müssen und auf der Flucht zu sein? Was macht eine menschliche Existenz aus? Und was ist ein Papier, wie ein Visum, wert ohne ein wahres Ziel? Chaos, Warten, Hoffnung und Verzweiflung sind auch heute für Millionen von Menschen auf der Flucht bittere Realität.

 

Neben „Transit“ haben wir am Samstag 09. November mit „Der Reisende“ ein weiteres Stück im Programm, das sich mit diesem Thema befasst. Damit wollen wir ganz bewusst einen Bogen spannen zwischen unserer Geschichte und der heutigen Situation, in der wir uns einem Wechsel von Willkommenskultur hin zu erneuter Fremdenfeindlichkeit ebenso gegenüber sehen, wie neu entflammtem Antisemitismus