5. Mai 2021
Kino

Fabian oder der Gang vor die Hunde

  • Im Berlin des Jahres 1931 lässt sich der Germanist und Werbetexter Fabian (Tom Schilling) durch das Leben treiben. Während er tagsüber für die Werbung einer Zigarettenfirma zuständig ist, ist er nachts oft mit seinem Studienkollegen Labude (Albrecht Schuch) unterwegs und macht die Unterweltkneipen, Bordelle und Künstlerateliers unsicher. Das sorglose Leben der beiden jungen Männer wird durch eine durch Kommunisten und Nationalsozialisten geteilte Gesellschaft zunehmend bedroht und auch Labude träumt davon, dass die Klassen gegen die Obrigkeit revolutionieren. Fabian kann mit dem politischen Umbruch nicht viel anfangen und kommentiert die Geschehnisse ironisch. Eines Tages trifft er in einem Atelier auf Cornelia (Saskia Rosendahl) und verliebt sich auf den ersten Blick in sie. Fabians naives Leben nimmt eine dramatische Wendung, als er einer Entlassungswelle zum Opfer fällt, Cornelias Karriere als Schauspielerin jedoch an Fahrt aufnimmt…

Regie
Dominik Graf
20. Mrz 2021
Kino

David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück

  • Ein Junge, der ohne Vater aufwächst und eine freie Kindheit erlebt, bis seine Mutter erneut heiratet. Ein gewalttätiger Stiefvater, der sich in dieses friedlich-verspielte Leben drängt und den Jungen aus der Familie. Die Mutter stirbt. Der Junge mäandert durch die Welt, durch grausig schlechte und überraschend fabelhafte Zeiten. Er entwickelt seine Gabe, die chaotischen Wechselfälle des Lebens durch Geschichten festzuhalten. Charles Dickens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts spielender Klassiker wurde mehrfach verfilmt, die beginnende Industrialisierung düster in Szene gesetzt, der Fokus lag auf den tragischen Begebenheiten, aus denen sich der Held mühsam heraus kämpfen musste. Der phantastische Komiker und Regisseur Armando Iannucci inszeniert ihn nun ganz wunderbar als Schelmenroman. Er lässt David Copperfield mit offenem Mund durch die Welt taumeln, all die merkwürdigen Figuren, die in seinem Leben auftauchen, wieder verschwinden oder ihn begleiten, genau betrachtend –zugewandt, verschreckt, bewundernd, aber nie verurteilend. Copperfields Staunen über die Welt und seine Fähigkeit darüber zu berichten, setzt der Regisseur leichtfüßig in Szene, ohne die Bedrückungen der schwierigen Kindheitsumstände zu verharmlosen. Sternstunden finden statt, wenn der jungerwachsene David auf seine exzentrische Tante Betsy Trotwood und ihren noch schrägeren WG-Genossen Mr. Dick trifft. Ein großartiges Filmvergnügen für die ganze Familie!

      

9. Mrz 2021
Theater

Mata Hari

  • Mata Hari: sagenumwobene Tänzerin, mysteriöse Doppel-Spionin und freiberufliche Künstlerin in Paris kurz vor dem I. Weltkrieg. Ihr Größenwahn bescherte Mata Hari den Erfolg als Tänzerin und Verführerin – am Ende jedoch auch die Exekution durch ein zwölfköpfiges Erschießungskommando. Kann man als freie Künstlerin ohne den gewissen Größenwahn überhaupt überleben? Ein Stück über Mata Hari und die Lebensrealität freier Künstlerinnen, die sich und ihre Kunst nicht als Ware verstehen wollen, aber trotzdem als solche verkaufen müssen.

Sabine Mittelhammer
Es spielt
13. Dez. 2020
Kino

Blackbird – Eine Familiengeschichte

  • Das amerikanisch-britische Drama erzählt von einer Frau, die unheilbar krank ist und ihrem Leben ein selbstbestimmtes Ende setzen will. Also schart sie ihre Lieben noch einmal um sich, an einem Wochenende in der Weihnachtszeit will sie sich von ihrem Ehemann, den beiden erwachsenen Töchtern und dem Rest der Familie verabschieden. „Eine Familiengeschichte“ ist ein klassisches Film-Kammerspiel mit einem hochklassigen Ensemble, ausgezeichneten Dialog-Texten und eher Zimmer-statt Ortswechseln. Mehr braucht es hier auch nicht, der Anlass für das Familientreffen ist dramatisch genug. Ein in jeder Beziehung sehr sehenswerter Film.  

13. Dez. 2020
Kino

Klang der Stille – Copying Beethoven

  • Die Handlung spielt im Jahr 1824. Ludwig van Beethoven ist mit der Fertigstellung seiner 9. Sinfonie in Verzug, deren Premiere in wenigen Tagen bevorsteht. Sein Musikverleger Schlemmer schickt ihm  die Musikstudentin Anna Holtz als Kopistin zur Unterstützung. Beethoven hat zunächst Zweifel, ob eine Frau für diese Arbeit geeignet ist, fasst jedoch Vertrauen zu ihr, als sie in der Sinfonie eine Änderung vornimmt, die seiner Meinung nach von ihm selbst hätte kommen sollen. Trotz Beethovens Taubheit und seines exzentrischen Verhaltens freunden sich die beiden an und stellen die Sinfonie fertig.

      

10. Dez. 2020
Theater

Die Wiedervereinigung der beiden Koreas

  • Liebe. In all ihren Facetten des Zusammenseins, der Trennung, des Glücks und des Unglücks, der schieren Unmöglichkeit. Liebe – eine immerwährende Illusion? In schnell aufeinanderfolgenden Szenen kämpfen 27 Frauen und 24 Männer um ihr Glück: Hochzeiten geraten ins Wanken, Prostituierte werden enttäuscht, lange verschwiegene Wahrheiten kommen ans Licht, Freundschaften verlieren den Boden. Pommerat erforscht die unerklärliche Kraft der Liebe mal konkret, mal mit tragischer Poesie, mal absurd-surreal, immer scharf beobachtend und oft mit stiller Komik. Wie durch ein schillerndes Kaleidoskop zeigt er die Fragilität zwischenmenschlicher Beziehungen. Wohlbekannte Alltagssituationen geraten mit einem Wimpernschlag aus den Fugen, unerwartete Wendungen stellen die herkömmlichen Vorstellungen von Liebe auf den Kopf.

        

Regie
Jochen Schölch
Besetzung
Butz Buse, Vanessa Eckart, Paul Kaiser, Nikola Norgauer, Hubert Schedlbauer, Thomas Schrimm, Dascha von Waberer, Eli Wasserscheid, Lucca Züchner
8. Dez. 2020
Kino

Ventajas des viajar en tren – die obskuren Geschichten eines Zugreisenden OmU Cine Español

  • Die Verlegerin Helga Pato sitzt im Zug, nachdem sie ihren Mann in der Psychiatrie abgeliefert hat. Im Zug lernt sie Dr. Sanagustin kennen, der ihr von seinem Berufsleben erzählt, insbesondere von einem Fall, wie er ungewöhnlicher nicht sein könnte. Die Geschichte eines Mannes, der beim Militär war, der nur noch einen Arm hatte, der mit dem puren Bösen in Kontakt kam, der einer Psychose erlegen ist. Ist es wahr, was er erzählte, oder alles nur aufeinander abgestimmte Spinnerei?  Der Verlegerin Helga Pato könnte das  egal sein, aber sie wird in diese Geschichte hineingezogen, ist sie selbst doch gerade erst dem Wahnsinn entkommen. Fasziniert ist sie aber auf jeden Fall und möchte mehr wissen. Der Übergang ist fließend, alles geht ineinander über. Der Film erzählt von den Obsessionen seiner Figuren, von deren Perversionen – ob nun eingebildet oder real. Er macht das mit einer immensen Raffinesse, der man sich nicht entziehen kann. Die geschliffenen Dialoge, das Abgleiten ins Surreale, das alles sind Elemente eines großen Films, der in seiner Erzählweise sicherlich bizarr, aber auch höchst faszinierend ist.

      

7. Dez. 2020
Kino

Enfant Terrible

  • Der Film zeigt in dramatischer Form und mit expressiver Bildsprache Episoden aus dem Leben Fassbinders, der in diesem Jahr 75 geworden wäre, und bringt dabei die vielen Facetten des Künstlers zu Geltung: vom genialen Dramatiker und Regisseur über den verzweifelt nach sich selbst und der Liebe Suchenden bis hin zum charismatischen Anführer, der seine Weg- und Lebensgefährten schikaniert und dazu antreibt, ein einzigartiges filmisches Werk zu schaffen. Der Anspruch Roehlers, sich mit seinem Film dem „Fassbinderschen Universum“ zu nähern, kommt in der effektvollen Licht- und Farbdramaturgie sowie dem Szenenbild Fassbinderscher Prägung zum Ausdruck. Vor allem aber in der Bedeutung, die dem Schauspiel als kollektive Leistung beigemessen wird: ein hochkarätiges Ensemble um den Fassbinder-Darsteller Oliver Masucci lässt die wichtigsten Akteure der von Fassbinder beeinflussten Richtung des Neuen Deutschen Films noch einmal auftreten – darunter einige, die selbst damals zum Fassbinderschen „Clan“ gehörten und nun den einstigen WeggefährtInnnen ihre Referenz erweisen. Zu Beginn zeigt der Film eine Liedzeile des von Jeanne Moreau gesungenen Chansons aus  Fassbinders letztem Film „Querelle“: „Each man kills the thing he loves“. Wow!  

3. Dez. 2020
Theater

Sarajevo – Die Toten tanzen noch

  • Die siebte Produktion der Moreth Company ist gleichzeitig die erste, bei der Konstantin Moreth das Stück selbst verfasst hat.

    Ein skurril-düsterer Reigen, ein Tanz auf dem Vulkan, ein Requiem, eine Ode an das Leben, gewidmet den tapferen Einwohnern von Sarajevo. Die Belagerung von Sarajevo bildet den Hintergrund einer morbiden, gleichwohl lebenshungrigen Erzählung. Da, wo der Tod am nächsten ist, brennt das Leben am hellsten. Adem arbeitet in einer Kneipe in Sarajevo. Nacht für Nacht. Adem schläft nicht mehr. Seit er im Krieg seine große Liebe gefunden und wieder verloren hat, lebt er ohne Ziel vor sich hin, umgeben von den immer gleichen Gästen, heimgesucht von den Dämonen seiner Vergangenheit, des Krieges und der Liebe. Abend für Abend erwachen die Geschichten, werden Lieder gesungen, und die Toten sind allgegenwärtig…

    Und dann ist da noch dieser Cellist: Vedran Smailović: 27. Mai 1992. Eine Mörserattacke der Serben auf einen Platz, der 22 Menschen zum Opfer fallen, weil sie um Brot anstanden. Nach diesem Angriff nahm Smailović sein Cello und spielte 22 Tage lang mitten auf verschiedenen Plätzen der Stadt, im Fadenkreuz der Scharfschützen für die Opfer und überlebte es. Dies ist ein universelles Bild für Menschlichkeit angesichts einer menschenverachtenden Situation, wie sie die Belagerung von Sarajevo darstellt.

         

Buch und Regie
Konstantin Moreth
Kostümbild
Bonnie Tillemann
Komposition und Bühnenmusik
Juri Kannheiser
Besetzung
Susu Padotzke, Michaela Weingartner, Alexander Bambach, Konstantin Moreth, Juri Kannheiser
30. Nov. 2020
Kino

Tenet

  • Der Film folgt dem Erlebnis des namenlosen Protagonisten, einem Geheimdienstmitarbeiter. Er und andere Kämpfer werden mit sich aus verschiedenen Zeitebenen überlagerten Realitäten konfrontiert. Bereits in der Eröffnungsszene wird ein mutmaßlicher Anschlag auf ein Opernhaus in der Ukraine gezeigt. Eine Gewehrkugel fliegt rückwärts aus dem Objekt heraus, statt einzuschlagen. Munition und andere Gegenstände werden als „invertiert“ bezeichnet, sie sind mit einer „umgekehrten Zeit“ aufgeladen. Im Verlauf des Films zeigt sich, dass Personen und Objekte tatsächlich gegen die Zeit laufen können. Ein russischer Oligarch nutzt diese Eigenschaft. Der Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger dazu: „Es ist tatsächlich so, dass diese momentane Gleichzeitigkeit des diese momentane Gleichzeitigkeit des sich vorwärts und rückwärts in der Zeit des Bewegens eine wichtige Rolle spielt“. Sven Hauburg schreibt für die Teleschau: „Zwar sei es nicht immer leicht, die komplexe Handlung des Films zu verstehen. Man sieht dennoch einen verdammt großartigen Film.“ Lars -Olav Beier schließt seine Rezession im SPIEGEL mit: „So cool hat ein überlebensgroßer Held auf der Leinwand selten gewirkt“.

       

29. Nov. 2020
Kino

Schwarze Milch

  • Die Tür der Jurte (Zelt-Haus) muss immer offen bleiben, so will es die mongolische Tradition. Für die Nomadin Ossi ist das ganz klar, denn sonst kommt das Böse nach Hause. Ihre Schwester Wessi jedoch sieht in der offenen Türe eine Gefahr, eine Einladung zum Überfall, hier so ganz allein in der Wüste. Diese gegensätzlichen Perspektiven bestimmen die gesamte Beziehung der beiden Frauen. Wessi zog als Kind in den Westen und wuchs in Deutschland auf. Ossi blieb mit dem Stiefvater in der Mongolei. Nach Jahren kehrt Wessi zurück an den Ort ihrer Kindheit und trifft mit ihrer westlich geprägten Weltsicht auf das traditionsreiche Nomadenleben ihrer Schwester.

    Die junge Regisseurin Uisenma Borchu ist eine der großen Hoffnungen des deutschen Films. Am Sonntag, 29.11.20 wird sie uns um17:00 Uhr und 20:00 Uhr ihre Spielfilme “Schau mich nicht so an“ und “Schwarze Milch“ vorstellen, für die sie den Bayerischen Filmpreis und weitere internationale Preise erhielt. 2017 lief ihr Theaterstück “Nachts als die Sonne für mich schien“ an den Münchener Kammerspielen. Uisenma Borchu kam 1984 in der Mongolei zur Welt und zog 5 Jahre später mit ihren Eltern nach Deutschland. Nach dem Abitur studierte sie bis 2015 an der Hochschule und Fernsehen in München und erhielt für ihre frühen Dokumentarfilme bereits beachtliche Förderpreise. Wir freuen uns sehr auf ihren Besuch bei uns.

29. Nov. 2020
Kino

Schau mich nicht so an

  • Bei der Suche nach der 5-jährigen Sofia lernt die alleinerziehende Mutter Iva ihre selbstsüchtige Nachbarin Hedi kennen. Zwischen den beiden entwickelt sich schnell eine lustvolle erotische Beziehung. Nach längerer Zeit kehrt Ivas Vater zurück und versucht, die vernachlässigte Beziehung zu Tochter und Enkelin wieder aufzubauen. Er und Hedi kommen sich dabei gefährlich nahe und die Situation eskaliert, als sie eine Affäre anfangen.

    Die junge Regisseurin Uisenma Borchu ist eine der großen Hoffnungen des deutschen Films. Am Sonntag, 29.11.20 wird sie uns um17:00 Uhr und 20:00 Uhr ihre Spielfilme “Schau mich nicht so an“ und “Schwarze Milch“ vorstellen, für die sie den Bayerischen Filmpreis und weitere internationale Preise erhielt. 2017 lief ihr Theaterstück “Nachts als die Sonne für mich schien“ an den Münchener Kammerspielen. Uisenma Borchu kam 1984 in der Mongolei zur Welt und zog 5 Jahre später mit ihren Eltern nach Deutschland. Nach dem Abitur studierte sie bis 2015 an der Hochschule und Fernsehen in München und erhielt für ihre frühen Dokumentarfilme bereits beachtliche Förderpreise. Wir freuen uns sehr auf ihren Besuch bei uns.

29. Nov. 2020
Kino

That Pärt Feeling – Das Universum von Arvo Pärt OmU engl.

  • Diese Frage versucht Paul Hegeman in seiner Dokumentation zu beantworten, die dezidiert keine klassische Biographie ist, sondern sein Subjekt umkreist und sich ihm behutsam annähert. Er ist einer der meistaufgeführten Komponisten weltweit. Und dennoch tritt er nur selten in der Öffentlichkeit in Erscheinung, schweigt am liebsten zu seiner Musik, fühlt sich in den Wäldern Estlands zu Hause und erzeugt damit unfreiwillig das Image eines Einsiedlers. Arvo Pärt wurde 1935 in einer estnischen Kleinstadt geboren. Früh begann er, sich für Musik zu interessieren, studierte, arbeitete als Tontechniker begann zu komponieren, beeinflusst von Schostakovich, Bartók, später auch Schönberg. Anfang der 80er Jahre wurde Pärt zur Emigration gezwungen, ließ sich in Wien nieder (inzwischen besitzt er die österreichische Staatsbürgerschaft), lebte lange Jahre in Berlin und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten, einflussreichsten Komponisten neuer Musik. Wie schwer es ist, zu beschreiben, wie ein abstrakter Gegenstand wie Musik funktioniert, welche Emotionen sie auslöst, mag auch erklären, warum Arvo Pärt kaum das Wort ergreift. Statt das kaum mögliche zu versuchen und in Worte zu fassen, was Pärt durch seine Musik sagt, beobachtet Hegeman den Komponisten mal bei einem Cello-Oktett in Amsterdam, mal mit jungen Gesangstudenten. Als unprätentiöser Mann erweist sich Pärt hier, der sich augenscheinlich wenig aus Ruhm und Wohlstand macht, sondern ganz in seiner Arbeit aufgeht. Die Dokumentation “Das Arvo Pärt Gefühl“ ist der gelungene und unbedingt sehenswerte Versuch einer Annäherung an ein einzigartiges Werk.

27. Nov. 2020
Theater

Der tollste Tag oder Figaros Hochzeit

  • Die triumphale Intrigen-Komödie aus den Vorwehen der Französischen Revolution bietet in dieser Version, statt süßlicher Opernseligkeit geschliffenen Wortwitz und turbulenten Overdrive. Graf Almavivas „Recht der ersten Nacht“ scheint die #MeToo Debatte bereits vorweggenommen zu haben. Reichen Susannes und Figaros Witz als Waffe da noch aus? Munition ist ihnen von Turini in seiner Neubearbeitung des alten Beaumarchaistextes genug gegeben. Bekannter ist der Stoff natürlich in der Opernversion von Mozart, aber alle drei Autoren eint eine Auflehnung gegen jede Obrigkeit mit satirischem Humor.Das Ensemble des Neuen Globe Theaters aus Berlin und Potsdam, das dieses Stück unter den derzeit widrigen Umständen als Sommerproduktion auf die Bühne gebracht hat, ist im Stadttheater ein gern gesehener und beliebter Gast. Zuletzt begeisterten es das Landsberger Publikum mit seiner Version des König Lear von Shakespeare und Molières „Die Streiche des Scarpin“.

      

Regie und Bearbeitung
Andreas Erfurth & Kai Frederic Schrickel
Besetzung
Maxim Agné, Andreas Erfurth, Rike Joeinig, Marius Mik, Kai Frederic Schrickel, Martin Radecke, Magdalena Thalmann und Laurenz Wiegand
26. Nov. 2020
Konzert

Enders Room

  • Der große Saxophonist Johannes Enders betreibt seit Jahren eine Art Laboratorium namens Enders Room. Hier beschreitet er stilistische Pfade, die sich weit aus der Ästhetik von Jazzmusik heraus bewegen. Im Wesentlichen operiert er an den Schnittstellen von Jazz und Electronic. Er schafft ein privates Klanguniversum, bei dem jeder Sound, jeder Beat und jedes kleinste Detail zu einer musikalischen Sprache beiträgt, die unverwechselbar Enders Room ausmachen. Auf der Suche nach Antworten auf die ältesten Fragen der Menschheit, zu denen auch das Verhältnis von Mensch und Maschine gehört, unterstützt ihn seine neue Band mit alten und neuen Weggefährten: Deutschlands zur Zeit aufregendster Trompeter Bastian Stein, Notwists Vibraphonist Karl Ivar Refseth, sowie die Schweizer Groovemeister Wolfgang Zwiauer am Bass und Gregor Hilbe am Schlagzeug und an der Elektronik.

Tenorsaxophon
Johannes Enders
Trompete
Bastian Stein
Vibraphone
Karl Ivar Refseth
Bass
Wolfgang Zwiauer
Schlagzeug
Gregor Hilbe
Klavier
Jean-Paul Brodbeck
24. Nov. 2020
Tanztheater

Out of joint

  • Zwei denkbar unterschiedliche Künstler, ein ungewöhnliches Werk: Unabhängig voneinander entwickelten der Bremer Helge Letonja Bremen und Gregory Maqoma aus Johannesburg eine Choreographie zum Thema „Aus den Fugen geraten“ und setzten dann diese beiden Werke zu einem Stück zusammen. Mit ihrem aufrüttelnden Abend stellen sich die beiden Choreographen den weltweit „aus den Fugen“ geratenen Gesellschaftsordnungen unserer Zeit. Das transkulturelle Werk spiegelt die Realität global bedrohlich schwankender Machtbalancen.

    OUT OF JOINT, nimmt mit emotionalen Bildern eine Stimmungslage in den Blick, die zwischen aufstrebendem Populismus und Extremismus, diffusen Ängsten, Zuschreibungen und Ausgrenzungen taumelt. Glieder suchen Halt, straucheln unter Beschuss der durch Medien verzerrten Realitätsfetzen, pendeln zwischen Versprechungen und bröckelnden Sicherheiten, prallen aufeinander, flirren miteinander, werden zersprengt. Unter treibenden, expressiven Klanggewittern des Tanztheaterkomponisten Serge Weber schreibt sich der Aufruhr individueller wie sozialer Körper im Tanz fort, und ein Aufschrei des Menschen bricht sich Bahn.

     

     

     

Konzept und Choreographie
Helge Letonja & Gregory Maqoma
Tänzer
Kossi Sébastien, Aholou-Wokawui, Thulisile Binda, Oh Chang Ik, Steven Chauke, Mariko Koh, Phumlani Life Mndebele.
23. Nov. 2020
Kino

Persischstunden

  • Sie sind Opfer und Täter, Jude und Nazi, Häftling und Hauptsturmbandführer. Trotzdem sprechen sie eine Sprache, die außer ihnen niemand versteht. Während des Zweiten Weltkriegs, 1942: Gilles, der Sohn eines Rabiners, der eigentlich in die Schweiz fliehen wollte, wird von SS-Soldaten zusammen mit anderen Juden verhaftet. Er entkommt einer Hinrichtung nur knapp, weil er schwört, kein Jude zu sein, sondern Perser. Diese Lüge rettet ihm das Leben, denn Hauptsturmführer Koch, der in einem Durchgangslager die Verpflegung der SS-Leute und der Gefangenen organisiert, sucht dringend jemanden der Farsi spricht, denn er möchte nach dem Krieg in Teheran ein Restaurant eröffnen. Also bringt ihm Gilles, der sich fortan lieber Reza nennt, Farsi bei. Kein echtes Farsi natürlich (das kann er ja selbst nicht) sondern ein Fake – Farsi. „Persischstunden“ ist kein Holocaust-Drama, sondern ein raffiniert konstruierter Film über eine Beziehung, in der das Opfer Lehrer ist und der Täter Schüler. Lars Eidinger und der Argentinier Nahuel Pérez sind großartig in ihren Rollen – es geht um Vertrauen, Macht und Kommunikation. Der unbedingt sehenswerte Film befindet sich in der Vorauswahl zum nächsten Europäischen Filmpreis.

19. Nov. 2020
Theater

Acht Frauen

  • Eine abgelegene Villa, ein verschneiter französischer Ort. Weihnacht. Eine wohlhabende Familie kommt zusammen, um das Fest zu feiern. Sieben Frauen, die achte erscheint unerwartet, nachdem der Hausherr tot aufgefunden wird. Grausam ermordet, ein Messer steckt in seinem Rücken. Tot sind auch Telefon, Autos. Der Schnee liegt meterhoch, man ist von der Außenwelt abgeschnitten. Eine fatale Situation. Panik kommt auf. Ist der Mörder vielleicht noch im Haus? Dazu Misstrauen, Verdächtigungen. Denn eines wird schnell klar: In diesem Fall muss der Mörder eine Mörderin sein! Keine der Damen hat ein Alibi, alle haben ein Motiv, jede ein Geheimnis, jede verstrickt sich im Lauf der aberwitzigen Geschichte mehr und mehr in einem Netz aus Lügen und Heimlichkeiten. Acht Leidenschaften mit ihren aufgestauten Lebensträumen, Frustrationen und Verletzungen prallen auf- und gegeneinander.

    Dem französischen Autor und Regisseur Robert Thomas gelang 1961 mit seinen „Huit Femmes“ ein großer Hit. Francois Ozonverfilmte 2001 das Theaterstück mit einer absoluten Traumbesetzung. Mit feiner Ironie karikiert er die bourgeoisen Verhältnisse der 50er Jahre und spielt lust-voll mit den Rollenbildern dieser Zeit. Den machtvollen Patriarchen, verantwortlich für das materielle Wohl von Familie und Angestellten, nimmt der Autor aus dem Spiel und überlässt das Feld komplett den Frauen.

     

Regie
Thomas Luft
Besetzung
Anja Klawun, Anuschka Tochtermann, Christa Pillmann, Miriam Kendler, Gabriele Graf, Marget Flach, Nathalie Schott/Dagny Dewath
18. Nov. 2020
Kino

Il Traditore – Ala Kronzeuge gegen die Cosa Nostra OmU Cinema Italiano

  • Während der frühen 1980er Jahre tobt ein Krieg im Inneren der sizilianischen Cosa Nostra  zwischen dem aufstrebenden Mafia-Clan der Corleonesi und den Clans aus Palermo. Der hochrangige Mafiaboss Tommaso Buscetta taucht in Brasilien unter, während in Italien alte Rechnungen beglichen und Buscettas Angehörige und Verbündete systematisch ermordet werden. Aufgespürt, verhaftet und von der brasilianischen Polizei nach Italien ausgeliefert, trifft der bis dato loyale Gefolgsmann Buscetta die Entscheidung, gegenüber dem Untersuchungsrichter Giovanni Falcone das Schweigegelübte zu brechen, das er mit dem Beitritt in die sizilianische Cosa Nostra abgelegt hat. Seine Zeugenaussage hilft bei der Verurteilung hunderter Angehöriger der Cosa Nostra in Italien und den USA während des Maxi-Prozesses in den 1980er Jahren. Der in jeder Kategorie ausgezeichnet besetzte und großartig gemachte Film war Italiens Beitrag für eine Oscar-Nominierung 2019 als Bester Internationaler Film. Nach seiner Premiere in Cannes im Mai 2019 sollte er ursprünglich in den deutschen Kinos im April 2020 anlaufen, der Filmstart wurde jedoch wegen der Pandemie auf September 2020 verschoben. Jetzt zeigen wir ihn im FILMORUM.

16. Nov. 2020
Kino

Exil

  • Um diese Frage kreist Visar Morinas großartiger Film EXIL in dem Mišel Matičević den eigentlich perfekt integrierten Kosovo-Albaner Xhafer spielt, der plötzlich an allem zweifelt. Er wohnt mit seiner Frau Nora (Sandra Hüller) und drei gemeinsamen Kindern in einer sehr deutschen Vorstadtsiedlung – und hat eine feste Anstellung in einem Pharmaunternehmen. Auf den ersten Blick könnte Xhafer nicht besser integriert sein, doch das Gefühl, irgendwie nicht richtig dazuzugehören nagt an ihm. Die E-Mail zu der Verlegung einer wichtigen Versammlung in seiner Firma hat er nicht bekommen. Ein Versehen? Vielleicht. Ein Kollege verlangt plötzlich Einsicht in Untersuchungsergebnisse. Reine Routine? Wer weiß. Spätestens wenn plötzlich der Kinderwagen vor dem Reihenhaus in Flammen steht, scheint klar: Jemand hat es auf Xhafer abgesehen. Mit bemühter Selbstbeherrschung versucht er dem gefühlten Mobbing auf den Grund zu gehen, zweifelt an sich, seiner Wahrnehmung, seinem Urteilsvermögen. Am Ende ist er ganz allein, irgendwie Teil der Gesellschaft, aber doch nicht richtig.

      

14. Nov. 2020
Musik

TMT Three for new Sound

  • Mit Monika Roscher, Tom Jahn und Tilman Herpichböhm , haben sich drei Musiker zusammen-gefunden, die schon lange als schillernde Grenzgänger zwischen den Stilistiken unterwegs sind. Monika Roscher entfacht mit ihrer Echoprämierten Bigband zur Zeit ein Feuer in Europa, das seinesgleichen sucht, Herpichböhm trommelt sich durch die angesagtesten Festivals, Jazz- und Elektroclubs, und Tom Tornado Jahn holt sich mit seiner Bigband Dachau standing Ovations auf dem Jazz Festival Montreux. Die drei treten hier in einer klassischen Hammondorgel-Triobesetzung auf. Dabei besticht das Konzept mit einem neuen und spannenden musikalischen Ansatz: ein intensiv erarbeitetes Repertoire an Kompositionen oder besser gesagt musikalischen Szenarien“ dient live als Grundlage für aus dem Moment geborene Improvisationen

Gitarre
Monika Roscher
Hammond Orgel & Synthesizer
Tom Jahn
Schlagzeug
Tilman Herpichböhm
11. Nov. 2020
Theater

Ein deutsches Mädchen

  • Ein aufwühlendes Zweipersonenstück mit verstörenden Einblicken in das Leben von Heidi, die in einer Mittelstandsfamilie in München aufwächst, mit nationalsozialistischem Gedankengut erzogen wird, in die Ferienlager der HDJ fährt und fester Bestandteil der bayerischen Neonaziszene wird. Als sie mit ihrem Freund Felix, rechter Liedermacher, ein Kind erwartet, beginnt ein Wandlungsprozess. Ein Stück gesellschaftspolitisches Theater mit einem einfühlsamen Blick in die Vielschichtigkeit menschlichen Lebens anhand einer Biographie.

      

Regie
Mirko Böttcher
Darsteller
Elisabeth Hütter, Tim Weckenbrock
9. Nov. 2020
Kino

Aretha Franklin – Amazing Grace OmU

  • Unter allen Liedern, die von Gottes Gnaden und der Kraft des Glaubens erzählen, ist „Amazing Grace“ wahrscheinlich das berühmteste. Die Erde wird sich irgendwann auflösen wie Schnee, die Sonne aufhören zu scheinen, doch wer dem Weg des Herrn folgt, auf den wartet ein Jenseits voll Freude und Frieden. So lautet das Versprechen. Obwohl „Amazing Grace“ im 18. Jahrhundert vom ehemaligen Kapitän eines Sklavenschiffs geschrieben wurde, stieg es zur schwarzen Gospelhymne auf. Als in Charleston neun Afroamerikaner erschossen wurden, sang der damalige Präsident Barack Obama den Song bei der Trauerfeier. Der Film zeigt, wie Aretha Franklin an zwei Abenden im Januar 1972 in der New Temple Missionary Baptist Church von Los Angeles ihr gleichnamiges Doppelalbum aufnimmt, das als meistverkaufte Gospelplatte in die Geschichte einging. Aretha Franklin stand zu der Zeit mit 29 Jahren auf dem Zenit ihrer Karriere, hatte 20 Alben herausgebracht, fünf Grammys gewonnen. „Amazing Grace“ singt sie völlig entschleunigt, Silbe an Silbe fügend. Es ist das Lied einer Bekehrung.

       

3. Nov. 2020
Kino

Viel Lärm um nichts

  • Das Thema des Geschlechterkampfes steht im Mittelpunkt dieser gleichermaßen werkgetreuen wie populären Theateradaption, die vor allem von ihrem sprühenden Sprachwitz lebt. Die scharfzüngigen Wortgefechte zwischen der schönen Beatrice und dem eingefleischten Junggesellen Benedikt suchen in der Filmgeschichte ihresgleichen. Wie verkuppelt man zwei Menschen, die kein größeres Vergnügen kennen, als sich gegenseitig zu beschimpfen? Ganz einfach: Man sagt ihnen, dass der eine hoffnungslos in den anderen verliebt ist. Der Regisseur und Schauspieler Kenneth Branagh hat die schöne Komödie mit seinem großartigen Ensemble wunderbar leicht und unterhaltsam verfilmt.

2. Nov. 2020
Kino

Henry V.

  • Der junge König Henry V. Von England erhebt seinen Anspruch auf den französischen Thron. Er setzt mit seinem Heer auf das Festland über, um Frankreich zu stürzen. Doch als Krankheiten und mangelnde Verpflegung das Gefolge dezimieren, droht das militärische Ziel zu scheitern. Der aufwendig und detailgetreu inszenierte Film gerät zu einem Plädoyer gegen Aggression und Krieg. Besonders durch die opulenten und gleichzeitig bedrückenden Bilder sowie die ausgezeichneten Schauspieler wird der Film zu einem eindrucksvollen Kinoerlebnis, das an Klarheit und Dichte seinesgleichen sucht. Zahlreiche Auszeichnungen in allen Kategorien!

29. Okt. 2020
Theater

Der eingebildete Kranke

  • Molières „Le Malade imaginaire“ zählt zu seinen bekanntesten Stücken und scheint durch seine starken Charaktere wie für das Figurentheater gemacht. Sogar der (Un-)Tod selbst übernimmt eine amüsante Hauptrolle.

    Argan ist ein wohlhabender Kaufmann und sterbenskrank – wenn es nach ihm geht. Der Hypochonder unterzieht sich allerlei teurer, aber unnötiger Kuren, so dass seine geldgierige Frau um ihr Erbe fürchtet. Um die medizinische Versorgung dauerhaft und kostengünstig zu gewährleisten, soll Töchterchen Angélique einen vertrottelten Jung-Arzt heiraten. Was kümmert es den Vater, dass Angélique und der vergeistigte Cleánte unsterblich ineinander verliebt sind? Zum Glück gibt es noch die schlaue Haushälterin Toinette, die dafür sorgt, dass am Ende jeder die Medizin bekommt, die er verdient.

    Das Theater Salz+Pfeffer in Nürnberg zählt zu den wenigen Puppentheater in Bayern, das auch Erwachsenenstücke spielt. Nach längerer Pause kommt es wieder einmal auf ein Gastspiel nach Landsberg und wird das Publikum sicher ebenso begeistern wie in früheren Jahren.

Regie
Pierre Schäfer
Spiel
Paul & Wally Schmidt
Puppendesign
Peter Lutz
26. Okt. 2020
Kino

Über die Unendlichkeit

  • Stetig wiederkehrende Motive in diesem lakonischen Kaleidoskop aus Alltäglichem und Existenziellen sind Krieg und Zerstörung, sei es in Gestalt endloser Kolonnen von Kriegsgefangenen oder im Blick in den Führerbunker, wo desolate Gestalten das Ende erwarten. Doch da gibt es auch jene Szene, die heraussticht wegen ihrer traumhaft-entrückten Schönheit: Über dem völlig ausgebombten Köln, einer apokalyptischen Szenerie, schwebt ein Liebespaar, eng umschlungen – ein Bild, das von der Unzerstörbarkeit der Liebe erzählt. Und es gibt Momente von überraschender Leichtigkeit, etwa wenn ein paar Mädchen ganz spontan zu tanzen beginnen. Oder: ein Mann bindet seiner kleinen Tochter mitten in einem Wolkenbruch die Schuhe. Einfache Geschichten von der Absurdität des Alltags, von Leid und Vergänglichkeit und von anrührenden Glücksmomenten. Letztlich eine große Liebeserklärung an all das, was man zusammengenommen Leben nennt.

22. Nov. 2020
Familientheater

Trial & Error

  • Die Szenerie ist schön grotesk und gegensätzlich: Wir befinden uns im „Amt für schicksalshafte Begegnungen innerhalb der beschienten Infrastruktur Berlins“. Spröde Verwaltungsmenschen treffen auf einen romantischen Mann, der sein Schicksal herausfordert und alles zu verlieren droht und doch auf die alles entscheidende Begegnung hofft. So verheddert er sich im Berliner U-Bahn-Netz und verstrickt sich in einer chaotischen Liebesgeschichte. Es ist faszinierend, wie die Spielerinnen den füreinander bestimmten Liebenden Leben auf ihre hölzernen Gesichter oder Papiersilhouetten einhauchen. 

20. Okt. 2020
Kino

Hors Normes- Alles außer gewöhnlich OmU cinema français

  • Der Film erzählt die wahre Geschichte von zwei Männern, die von dem Willen beseelt sind, die Welt für sich und für andere besser zu machen. Bei ihrer Arbeit mit autistischen jungen Menschen in Paris vollbringen Bruno und Malik – der eine Jude, der andere Muslim – tagtäglich kleine Wunder. Über gesellschaftliche Grenzen hinweg gelingt es den beiden, mit viel Engagement, Feingefühl und Humor aus vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten eine Gemeinschaft zu bilden, in der jeder Einzelne die Chance bekommt, über sich hinaus zu wachsen. Die Kamera ist immer ganz nah bei den Protagonisten und so taucht man unmittelbar ein in den Alltag, die Konflikte, aber auch in die Fröhlichkeit und Schönheit der einzelnen Momente, in denen neben allen Problemen vor allem auch die Einzigartigkeit eines jeden Menschen gefeiert wird. Ein sorgfältig recherchierter Film, der einen liebe- und respektvollen Blick auf alle Protagonisten wirft und dem es mit großer Wärme und Leichtigkeit gelingt, ein gesellschaftlich hochrelevantes Thema zu erzählen.

19. Okt. 2020
Kino

The Song of Names

  • Der Titel bezieht sich auf ein jüdisches Ritual: Die Namen der Toten des Holocausts werden gesungen, um sie nicht zu vergessen. Erzählt wird die Geschichte von zwei Jungen, die wie Brüder aufwuchsen, aber der eine ein Genie mit der Violine, verschwand am Tag seines ersten großen Konzerts. Und der andere hat seitdem niemals die Suche nach ihm aufgegeben. Die Hauptfiguren Dovidl und Martin sind gebrochen. Dovidl, weil er das Schicksal seiner Familie nie verwunden hat, Martin, weil er das plötzliche Verschwinden des Bruders nie verarbeiten konnte. Ihrer beider Leben wurde aus der Bahn geworfen. Sie fanden Ihren Weg, aber nicht unbedingt den, den sie sich als junge Männer erträumt hatten. François Girard hat einen beeindruckenden Film aus der Romanvorlage gemacht. Er versteht es meisterhaft, mit drei Zeitebenen zu jonglieren, zeigt Martin und Dovidl als Kinder, als junge und als alte Männer – und jedes Mal sind sie unterschiedliche Menschen, weil das Leben sie verändert hat. Tim Roth und Clive Owen spielen hervorragend, aber auch die jüngeren Versionen ihrer Figuren sind exzellent besetzt. Das Finale ist ein Moment, der ein ganzes Leben beschreibt und der – zum besseren oder zum schlechteren – sowohl Martin als auch Dovidl den Frieden bringt, den sie so lange ersehnt haben.

17. Okt. 2020
Theater

Atmen

  • CO2-Ausstoß, Klimawandel, Umweltkatastrophen, Überbevölkerung, Welthunger! In der IKEA-Schlange wartend trifft es ein modernes, umweltbewusst-reflektiertesGroßstadt-Paar um die 30 plötzlich aus heiterem Himmel: Sollte man angesichts dieser globalen Großprobleme ein Kind in die Welt setzen oder lieber nicht? Ein Kind, daseinen größeren ökologischen Fußabdruck hinterlässt, als sieben Jahre lang täglich nach New York und zurück zu fliegen, andererseits ja aber irgendwann einmal auch zum Retter genau dieser Welt werden könnte?Der Konflikt reißt beide Figuren schnell in einen anhaltenden Strudel aus Distanz und Nähe – es beginnt eine emotionale Achterbahnfahrt, die ihren Lebensentwurf auf den Kopf stellt und von missglückten Empfängnis-versuchen über Fehlgeburt und Trennung bis zur Versöhnung und weiter führt.In rasantem Tempo gleitet „Atmen“ wie ein filmisches Close-Up voller Humor und warmherziger Ironie durch ein ganzes Menschendasein, überspringt zwischen zwei Repliken immer wieder mehrere Tage, Wochen, Jahre und reiht in schnellen, cineastischen Schnitten alle wichtigen Stationen des Lebens vom Verliebtsein bis zum Tod naht- und übergangslos aneinander.Ein atemloser Dialog über Liebesbeziehungen, den Zustand der Welt und die Suche nach unserem Platz in beidem. Agnes Decker und Benedikt Zimmermann sind hierfür das perfekte Bühnenpaar, wieder in der Regie von Domagoj Maslov (wie bei Schwester von).

     

Regie
Domagoj Maslov
Schauspiel
Agnes Decker und Benedikt Zimmermann
14. Okt. 2020
Theater

Don Quijote

  • Ein verarmter Landjunker schmückt seinen tristen Alltag damit aus, sich in die Welt seiner geliebten Ritterromane zu träumen. Freunde und Nachbarn versuchen so verzweifelt, ihn von der gefährlichen Literatur fernzuhalten, dass er schließlich mit einem zwangsverpflichteten Knappen in die große weite Welt zieht, um nun endlich außeralltägliche Heldentaten zu begehen: Don Quijote und Sancho Panza sind geboren! Der verträumte Idealist mit seinem anachronistischen Hang zum Heroischen, der Windmühlen als zu bekämpfende Riesen sehen will und der pragmatische Realist, der seinem Freund und Herrn in die verrücktesten Abenteuer folgt. Gemeinsam kämpfen sie ebenso gegen Alltägliches in monströser Erscheinung wie gegen den Zwang zur vorgeschriebenen Norm. Auf der endlosen Suche nach der perfekten Aventüre begegnen Don Quijote und Sancho Panza mächtigen Gegner, wunderschönen Fräulein und schließlich sogar dem eigenen Ruhm, da ihre Geschichte erfolgreich niedergeschrieben und verbreitet wurde. Miguel de Cervantes Roman war 1605 ein fulminanter Startschuss in die literarische Moderne.

    Die weltberühmte Erzählung ist eine verrückte Hypersatire, ein zeitloser philosophischer Spiegel, eine großartige Erzählung von unverbrüchlicher Freundschaft, eine Huldigung der Fantasie als bestes Mittel gegen die Unbill des Lebens und ein bis heute gültiger Appell, die eigene Geschichte trotz aller Hindernisse selbst zu schreiben!

Inszenierung
Anne Verena Freybott
Schauspiel
Elisabeth Hütter, Tobias Loth, Tim Weckenbrock
12. Okt. 2020
Kino

Das Vorspiel

  • Anna Bronsky ist Geigenlehrerin an einem Musikgymnasium. Sie setzt gegen den Willen ihrer Kollegen die Aufnahme eines Schülers durch, den sie für sehr talentiert hält. Engagiert bereitet sie diesen auf die Zwischenprüfung vor und vernachlässigt dabei ihre Familie: Ihren Sohn Jonas, den sie in Konkurrenz zu ihrem neuen Schüler bringt und ihren Mann Philippe. Ihr Kollege Christian, mit dem sie eine Affäre hat, überredet sie in einem Quintett mitzuspielen. Als Anna in einem Konzert als Geigerin versagt, treibt sie ihren Schüler zu Höchstleistungen an. Am Tag der entscheidenden Zwischenprüfung kommt es zu einem folgenschweren Unglück.

    Der Film erhielt auf den Filmfestspielen in San Sebastian und Stockholm sowie auf dem Filmfest Hamburg Auszeichnungen für die Regie und das Drehbuch. Nina Hoss wurde als Beste Schauspielerin ausgezeichnet.    

10. Okt. 2020
Und mehr

Das HPVN und der HPV Landsberg laden ein zur Film-Matinée Vom Leben und Sterben

  • Zum Inhalt es Films:Nach sechs Jahren vergeblichen Hoffens auf Besserung wünscht sich der erfolgreiche Gitarrist Robert Wolf, der nach einem Unfall vom Hals abwärts gelähmt ist, nichts sehnlicher, als in Würde sterben zu dürfen.Robert Wolf, der erfolgreiche Gitarrist der Band „Quadro Nuevo“, und die wesentlich jüngere Angelika bekennen sich 2007 öffentlich zu ihrer Liebe. Doch weniger als ein Jahr danach erleidet Robert einen folgenschweren Autounfall. Seitdem ist er querschnittsgelähmt und fast völlig von fremder Hilfe abhängig. Sechs Jahre lang arbeitet das Paar vergeblich an einer Verbesserung von Roberts Zustand. Aber ein Leben, in dem er keine Musik mehr machen kann, will er nicht leben. Er fasst den Entschluss zu sterben. Angelika weigert sich, diesen Weg mitzugehen. Der Dokumentarfilm zeigt ruhig und poetisch die unterschiedliche Entwicklung des Paares und beleuchtet dabei auf differenzierte Weise das Thema Sterbehilfe: Da ist einerseits eine junge Frau, die noch viel von der Zukunft will und nicht verstehen kann, warum ihr Mann sich gegen das Leben und damit auch gegen sie entscheidet.Im Anschluss wird in einer offenen Gesprächsrunde (soweit es Corona zulässt) Gelegenheit sein, sich kennenzulernen und sich über die Inhalte des Films auszutauschen.Einlass nur mit telefonischer Anmeldung beim HPV Landsberg  08191/42388  (Bürozeiten: Montag bis Freitag, jeweils von 9.00 – 13.00 Uhr, Donnerstag von 15.00-18.00) – die persönlichen Daten werden beim Einlass registriert.

4. Nov. 2020
Kino

Romeo & Julia OmU english cinema

  • Kritik aus dem Lexikon des Internationalen Films: „Aus Versatzstücken des aktuellen Actionkinos, der Popmusik-Kultur, einer gehörigen Dosis religiösem Kitsch und dem 400 Jahre alten Originaltext entstand eine durch die Fülle der Einfälle die Wahrnehmungsfähigkeiten des Zuschauers herausfordernde fulminante Version der Shakespeare‘schen Liebestragödie. Der Film ist ein spannender Versuch, Shakespeare in einem aktuellen Kontext der Reflexion über Gewalt und moderne Medienkultur anzusiedeln.“ Die überaus erfolgreiche Verfilmung wurde auf internationaler Ebene mit vielen Auszeichnungen bedacht.

5. Okt. 2020
Kino

Dreiviertelblut – Weltraumtouristen

  • Dass er einmal in einer Band spielen würde, die Songs auf Bayerisch singt, das hätte Gerd Baumann noch vor zehn Jahren nicht gedacht. Inzwischen ist der Gitarrist, Komponist und Filmmusiker zusammen mit dem Sänger und Songtexter Sebastian Horn damit sehr erfolgreich. Gemeinsam gründeten sie 2012 die Band „Dreiviertelblut“. Filmemacher Marcus H. Rosenmüller, der mit den beiden Musikern befreundet ist, hat zusammen mit seinem Co-Regisseur Johannes Kaltenhauser einen Dokumentarfilm über die Band gedreht. Der Film zeigt zwei Konzerte in München, einmal im Prinzregententheater, einmal im Circus Krone, und lässt die Musiker an außergewöhnlichen Orten zu Worte kommen. Die sympathische Art der Protagonisten, Auskunft über ihre musikalische Motivation zu geben und spielerisch zu philosophieren, lässt den gesamten Film sehr entspannt und unterhaltsam wirken. Die kunstvoll zwischen Konzertbühne und anderen Schauplätzen wechselnde Montage verwebt die einzelnen Momenteindrücke zu einem dichten Gesamtbild. Das Ergebnis ist ein ganz wunderbarer Film, den man nicht versäumen sollte!

      

4. Okt. 2020
Kino

Berlin Alexanderplatz

  • DIE ZEIT schwärmt: „Wo soll man anfangen bei diesem Film? Diesem Kosmos an Farben, Tönen, dieser Lebens- und Liebesgeschichte, die einen drei Stunden lang in den Kinosessel drückt. Diesem Werk, das man ohne Übertreibung gewaltig nennen kann. BERLIN ALEXANDERPLATZ ist weit mehr als ein großer Schauspielerfilm und eine virtuose Literaturverfilmung – es ist eine Parabel gegen den Rassismus. Gegen das Wegschauen.“ Verleihung des Deutschen Filmpreises: Bester Spielfilm und fünf weitere Hauptpreise!

      

4. Okt. 2020
Kino

Schlingensief – in das Schweigen hineinschreien

  • Ein Film über den 2010 mit 49 Jahren verstorbenen Film- und Theaterregisseur und Aktionskünstler, der über mehrere Jahrzehnte hinweg ein künstlerisches Werk geschaffen hat, das in seiner Art und Wirkung unvergleichbar ist und den kulturellen und politischen Diskurs in Deutschland  mitprägte. Der Fokus des Films liegt auf Schlingensiefs  Auseinandersetzung mit Deutschland. Sein Verhältnis zu Deutschland war widersprüchlich. Dass er 2004 in Bayreuth Wagners “Parsifal“ inszenieren durfte und später die Einladung erhielt, den deutschen Pavillon der Biennale in Venedig zu Venedig zu gestalten, erfüllte ihn aber auch mit Stolz.

       

3. Okt. 2020
Kabarett

Werner Koczwara

  • Manche Kritiker nennen es ein Wunder und meinen damit: wie kann man aus etwas Knochentrockenem wie Justiz und Paragraphen brüllend komisches Kabarett machen? Werner Koczwara kann. Und das in der Fortsetzungsschleife wie er mit seinem kabarettistischen Dauerbrenner „Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt“ zum Auftakt der Spielzeit 2020/21 der Kleinkunstbühne Landsberg am 3. Oktober 2020 beweisen wird. Beginn im Theatersaal ist um 19:30 Uhr. Wenn man für einen Programmtitel nichts Geringeres als die Schöpfung bemüht, dann ist quasi Pflicht, ein epochales Werk zu schaffen. So geschehen bei Werner Koczwara. Bereits im Jahr 2000 erblickte das Programm „Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt“ das Licht der Kabarettbühnen. Mit inzwischen weit über 1000 Aufführungen ist es das meistgespielte Programm des deutschsprachigen Kabaretts. Das hat Koczwara, bereits im Jahr 1991 mit dem Programm „Warum war Jesus nicht rechtsschutzversichert“ einschlägig aufgefallen, den Titel „Erfinder des Justizkabaretts“ eingebracht. Mit knochentrockenem Humor, rabenschwarzer Satire und rhetorischer Brillanz pflügt der Schwabe durch das juristische Unterholz. Und weil seit der Erstaufführung jegliche Versuche einer Vereinfachung der deutschen Gesetzgebung zu immer neuer Komplexität führte und immer neue Blüten treibt, ist das Programm so amüsant und aktuell wie am Tag seiner Schöpfung.

28. Sep 2020
Kino

Wege des Lebens

  • Der Mittfünfziger Leo (Javier Bardem) öffnet nicht die Tür, als seine Haushaltshilfe klingelt, und er geht auch nicht ans Telefon, als seine Tochter Molly anruft. Als sie beide dann gemeinsam die Wohnung betreten, liegt Leo lethargisch im Bett, reagiert kaum und scheint verwirrt. Er leidet unter einer Hirnatrophie. Leo stammt aus Mexiko und war einst Schriftsteller. Nun lebt er seit über 30 Jahren in den USA und hat eine Wohnung in New York. Er will seiner Tochter Molly so viel erzählen, schafft es aber nicht, seine Gedanken zu ordnen. In seinem Kopf vermischen sich die Gegenwart und die Erinnerungen an verschiedene wichtige Ereignisse zu unterschiedlichen Zeitpunkten seines Lebens. Die Regisseurin Sally Potter arbeitet mit Rückblenden beziehungsweise mit Traumsequenzen. Diese Szenen in Leos Fantasie sind durch besonders intensive Farben oder weitaus schnellere Bewegungsabläufe in Kamera und Schnitt gekennzeichnet und zudem wesentlich künstlicher inszeniert. Momente im Hier und Jetzt werden betont realistisch dargestellt. Der Film lebt von Javier Bardems atemberaubender Performance, wenn er Leos Verzweiflung, Traurigkeit und seine Abwesenheit perfekt zum Ausdruck bringt. Dabei stimmt seine Unfähigkeit, sich vorwärts zu bewegen, absolut mit einem von Sally Potters Lieblingsthemen überein: Transition.

      

27. Sep 2020
Konzert

Walter Lang Trio

  • Walter Lang, Thomas Markusson und Magnus Öström stehen für ein Pianotrio, das alles hat, was derartige Formationen schon immer von anderen Besetzungen abhob: Ein sprechendes, fast singendes Klavier, das Geschichten voller Schönheit, Authentizität und Spannung zu erzählen versteht, ein komplementierender, die Atmosphären perfekt grundierender Bass und ein Schlagzeug, das einem die absolute Sicherheit verleiht, das sich alles in die richtige Richtung bewegt.    

Klavier
Walter Lang
Kontrabass
Thomas Markusson
Schlagzeug
Magnus Öström
24. Okt. 2020
Musik

Carlos Cipa & Ensemble

  • Carlos Cipa, ehemaliger Schüler an der Landsberger Musikschule, ist heute ein international gefragter Pianist und Filmmusikkomponist. Man kann getrost behaupten, dass er heute auf einer Stufe mit Komponisten wie Max Richter, Hauschka oder Jóhann Jóhannsson steht. Die Tour zu seinem neuen, bei Warner Classics erschienenen Album „Retronyms“ führte ihn durch zahlreiche Länder. Presse und Publikum waren beeindruckt. In Landsberg konnte er leider das Programm coronabedingt nicht wie geplant im März vorstellen. Nun ist ein weiteres Album von Carlos Cipa erschienen. Auf 11 Correlations spielt er elf eigene Kompositionen auf elf verschiedenen Klavieren. Elf Klaviere kann ihm seine Heimatstadt nicht bieten, aber am 24.10. wird er zwei Konzerte auf zwei verschiedenen Flügeln geben. Um 18:00 im Rathaus auf dem Steinway und um 20:30 im Stadttheater auf dem dortigen Yamaha. Die Konzerte dauern jeweils ca. eine Stunde und finden unter Beachtung sämtlicher Abstands- und Hygieneregeln statt. In beiden Sälen daher nur sehr eingeschränkte Zuschauerkapazität.

     

22. Sep 2020
Kino

Die schönsten Jahre eines Lebens

  • Jedes Mal, wenn Anne ihn in dem Altenheim „Sitz des Stolzes“ besucht, muss sie sich Jean-Louis erneut vorstellen. Jedes Mal hält er sie für einen Neuzugang. Sie bleibt eine Unbekannte für ihn, mithin eine mögliche Eroberung. Aber zugleich scheint sie ihm vertraut: Ihr Blick und ihre Geste, mit der sie ihre Haarsträhne zurückstreift, wecken seine schönsten Erinnerungen. Das Vergessen ist das Wunder des Entdeckens. Vor einem halben Jahrhundert haben die zwei Filmgeschichte geschrieben, als sie sich am Strand von Deauville verliebten. Damals war sie ein Skriptgirl und er ein gefeierter Rennfahrer. Nun sitzt Jean-Louis im Rollstuhl. Sein fürsorglicher Sohn hat die Wiederbegegnung mit Anne eingefädelt. Sie zögert erst, denn es ging damals nicht gut aus mit ihnen. 1966 war „Ein Mann und eine Frau“ ein weltweites Phänomen: ein Wechselbad aus ungenierter Sentimentalität und dem Aufbruchsgeist der Nouvelle Vague, der die Goldene Palme in Cannes gewann sowie zwei Oscars. „Die schönsten Jahre des Lebens sind die, die man noch nicht erlebt hat“ lautet das Motto Victor Hugos, das Lelouch dem Film vorangestellt hat. Mit Furor arbeitet er daran, einer altmodischen Vorstellung von Charme, Gelanterie und Verzauberung im Kino wieder Glanz zu verleihen. Wie schön!

       

21. Sep 2020
Kino

Sorry we missed you

  • Das nordenglische Städtchen Newcastle: wie die meisten versucht die Familie Turner mehr schlecht denn recht zu leben, besser gesagt, zu überleben und sich gegen die Unwägbarkeiten des Alltags zu wehren. Einst bewohnten sie ein Eigenheim, doch nach der Finanzkrise 2008 mussten sie es verkaufen und leben nun in einer beengten Mietwohnung. Während die Mutter einem harten Job als mobile Krankenschwester nachgeht, schlägt sich ihr Mann verzweifelt von Aushilfsjob zu Aushilfsjob durch, nie richtig arbeitslos – aber auch nie richtig angestellt. Das Geld reicht nicht für ein wenig Lebensqualität. Ken Loachs Film über diesen Überlebenskampf der Familie Turner gehört zu seinen eindringlichsten und schönsten der letzten Zeit. Unaufgeregt und frei von Klassenpathos erzählt Loach mit großer Menschlichkeit, die sich allein dank empathischer Alltagsbeobachtungen einstellt. Es gibt keine Krisen zu bewältigen, aber der Alltag selbst ist eine einzige Krisensituation. Auch wenn der Schauplatz des Films England ist, kann man die Strukturen in ganz Europa finden, in allen Ländern, in denen die Sozialsysteme zunehmend schwächer werden und Profitdenken längst zur alles überstrahlenden Hauptsache geworden ist.

      

20. Sep 2020
Kino

Anton Bruckner – Das verkannte Genie

  • Der Komponist Anton Bruckner (1824-1896) gilt heute zu den wichtigsten Vertretern der Romantik. Aufgrund vieler Missverständnisse und Vorurteile wurde Bruckner zu Lebzeiten lediglich als Organist geschätzt. Seine außergewöhnlichen Sinfonien trafen damals nicht den Zeitgeist. Mit dem Wissen der Moderne blicken bedeutende Dirigenten wie Sir Simon Rattle, Kent Nago und Valery Gergiev auf das Gesamtwerk zurück und bescheinigen, dass   der Österreicher als Genie der Töne zu sehen ist. Unter der Leitung von Valery Gergiev geben die Münchener Philharmoniker Werke von Anton Bruckner zum Besten.

      

17. Sep 2020
Theater

Schwester von

  • Sie ist nur die Schwester von… Sie ist Ismene, Tochter des Ödipus, Schwester der Antigone. Sie ist die „kleine“, unbedeutende Schwester. Sie erzählt ihre Version der Familiengeschichte. Sophie Rogall tut dies in packender Weise in einem nie langweilig werdenden Monolog. Theaterleiter Florian Werner: „Ich habe das noch selten erlebt, ich sah irgendwann nur noch Sophies Gesicht und habe ihr zugehört“.

Regie
Domagoj Maslov
Schauspiel
Sophie Rogall
14. Sep 2020
Kino

Undine

  • Das Drama orientiert sich frei an dem bereits vielfach adaptierten Undine-Mythos. Der Regisseur Christian Petzold, der auch das Drehbuch zum Film schrieb, verlegte die Sage um die unheilvolle Wasserfrau ins Berlin der Gegenwart: Die studierte Historikerin Undine arbeitet in einer Senatsstelle für Stadtentwicklung und bietet Stadtführungen an. Als ihr Freund Johannes die Absicht verkündet, sich von ihr trennen zu wollen, wird Undine von einem Fluch eingeholt. Sie ist ein Elementargeist und dazu bestimmt, den Verrat ihres Freundes mit dessen Tod zu rächen und ins Wasser zurückzukehren, aus dem sie einst gerufen wurde. Aber Undine wehrt sich gegen diese Bestimmung und will weder ihren Freund töten noch Berlin verlassen. Durch Zufall macht sie die Bekanntschaft mit Christoph, der als Industrietaucher arbeitet. Undine verliebt sich in ihn und beide verbringen eine glückliche Zeit miteinander. Christoph ist von ihrer Bildung beeindruckt und zeigt ihr seine Welt unter Wasser, die sie schon kennt. Undine liebt wiederum seinen Spürsinn. Als Christophs Gespür ihm sagt, dass Undine vor etwas davonläuft, fühlt er sich selbst von ihr verraten. Undine muss daraufhin eine Entscheidung treffen. Wird ein Fluch niemals aufgehoben, sondern allenfalls umgelenkt? Und welcher Opfer bedarf es, um am Ende die Unschuldigen zu schützen? Christian Petzold findet schöne und schlüssige Antworten darauf…

      

13. Sep 2020
Kino

Ruben Brandt, Collector

  • Nun hätten wir an diesem Wochenende unsere vertraute, geliebte Landsberger Kunstnacht haben sollen. Bedauerlicherweise kommt uns Corona übermächtig in die Quere. Wir haben uns um ein „Trostpflaster“ bemüht: Ruben Brandt, ein Psychotherapeut, wird in seinen Träumen von berühmten Bildern der Kunstgeschichte verfolgt. Um seinen Seelenfrieden wiederzuerlangen, beauftragt er (völlig durchgeknallt) die kleptomanische Zirkuskünstlerin Mimi und ihre Bande  professioneller Kunsträuber, weltbekannte Meisterwerke u.a. aus den Uffizien, dem Louvre, dem Musée d‘orsay und der Ermitage zu stehlen. Erst wenn alle Meisterwerke sich in seinem Besitz befinden, hofft er wieder einen ruhigen Schlaf finden zu können. Geht uns ja möglicherweise nicht viel anders! Man muss aber auch nicht unbedingt ein Kunstliebhaber sein, um diesen höchst originellen Animationsfilm genießen zu können. Wie genüsslich der Maler, Multimediakünstler und Animationsfilmregisseur Milorad Krstić die Kunstszene mit dem organisierten Verbrechen assoziiert, macht einen Riesenspaß. Das ist voller Ironie, visuell absolut berauschend und auch Soundtrack und Musik sind mitreißend. So schafft es der Filmemacher, gleich mehrere Genres zu bedienen, ganz en passant ein wenig Nachhilfe in Malerei, Musik und Filmgeschichte zu geben und dem Zuschauer ein großes Vergnügen zu bereiten. Fast wie die Landsberger Kunstnacht…  

13. Sep 2020
Konzert

Keglmaier / Maxi Pongratz Doppelkonzert

  • So 13. Sep 17:00 Uhr & 20:00 Uhr Beide Künstler sind keine Unbekannten in Landsberg. Maxi Pongratz von Kofelgschroa und Evi Keglmaier von Zwirbeldirn stellen jeweils ihre aktuellen Programme vor.Nach dem Ende von „Zwirbeldirn“ hat Evi Keglmaier („Die Hochzeitskapelle“ u.v.m.) ihr musikalisches Profil geschärft: ihre – durchwegs selbstgeschriebene – Musik ist minimalistisch. Mit der Bratsche und ihrer Stimme erzeugt sie unkonventionelle Klangfarben mit Sogwirkung. Greulix Schrank, Bühnenhüne und kongenialer musikalischer Begleiter (früher Schlagzeuger der „Schweisser“, Theatermusiker und Macher zahlreicher Hörspiele) zaubert dazu einfühlsame Beats und Klänge, die ungewöhnliche Kombination aus akustischer Natürlichkeit und synthetischen Sounds macht „Keglmaier“ zu einem mal mehr, mal weniger elektronisch, aber immer sehr eigen klingenden, kraftvoll-charmanten Gesamtkunstwerk. Die Lieder von „Keglmaier“ fischen nur selten in flachen Gewässern – sie wühlen den Bodensatz der Seele auf, fassen ihn in musikalisch-poetische Bilder und betrachten ihn liebevoll unter dem Mikroskop. Maxi Pongratz, der Akkordeonspieler, Texter, Liedschreiber und ein Kofelgschroa der ersten Stunde, ist ein Pendler zwischen Groß- und Kleinstadt, zwischen München-Obergiesing und Oberammergau, zwischen dem großen Ganzen und dem oft übersehenen, wunderlichen Kleinen.Dass er mit seinem Akkordeon in schnellen Schritten, oder plötzlich stockend und schleppend den musikalischen Grund für seine Gedanken legt macht manchmal glücklich, manchmal lässt es uns lachen aber manchmal bleibt uns selbiges auch im Halse stecken.     

Bratsche, Gesang
Evi Keglmaier
Beats & Klänge
Greulix Schrank
Akkordeon
Maxi Pongratz
4. Aug. 2020
Kabarett

Bairisch Diatonischer Jodelwahnsinn im Theatergarten

  • Nach der langen Corona-Pause präsentiert die Kleinkunstbühne „s’Maximilianeum e.V.“ auf der Freibühne des Stadttheaters die aus Funk und Fernsehen bekannte Gruppe „Bairisch Diatonischer Jodelwahnsinn“.

    Otto Göttler, das Urgestein der neuen Volksmusik, Geli Huber und Tobias Andrelang setzen nicht nur mit Ziach, Harfe und Kontrabass ganz besondere musikalische Ausrufezeichen. Ihr Programm „Da kema drei“  ist ein Wortspiel mit Hintersinn und Tücke. Gespickt mit vielfältiger Volksmusik packt es Themen an, die uns oft im Alltag entfallen. Mit Witz und Empörung sezieren die drei die vertrackte Zeit, in der wir leben, karikieren feinsinnig die Fallen, die uns gestellt werden und fragen, wen der Rettungsschirm, der aufgespannt wird, denn eigentlich auffängt. Die Landsberger Kleinkunstbühne  lädt ein zu wortgewandter Schlitzohrigkeit und Volksmusik, die wie ein frischer Wind von der Bühne runter weht.