Musik

Nik Bärtsch’s Ronin

  • „Awase“ - Ritual Groove Music
  • Support Björn Meyer „Provenance“
  • Nik Bärtsch Klavier
  • Sha Bassklarinette, Altsaxophon
  • Thomy Jordi Bass
  • Kaspar Rast Schlagzeug
  • Björn Meyer Bass

Die Ritual Groove Music, wie der 46-jährige Züricher Nik Bärtsch seine Musik mit einem selbst erfundenen Idiom nennt, ist groovig und eingängig, obwohl äußerst komplex und raffiniert komponiert.

Bärtsch‘s Stücke sind modular aufgebaut – und nennen sich auch ausschließlich Module, durchnummeriert. Die Instrumentalisten spielen polymetrisch übereinandergelegte, repetitive Figuren oder Patterns. Die musikalischen Motive verschieben sich gegeneinander, um sich an immer wieder anderen Stellen neu zu treffen. Was im ersten Moment immer gleich zu sein scheint, erscheint durch diese Art der Verzahnung und das sich stets entwickelnde klangliche Umfeld immer neu, spannend, groovig! Niemand macht das so wie Nik Bärtsch. Er erfindet eine neue mitreißende musikalische Sprache, in die man auch abtauchen kann, wenn man den gerade erwähnten theoretischen Überbau komplett ignoriert und sich einfach mitnehmen lässt. Das gut eingespielte Ensemble Ronin hatte über die Jahre durchaus einige Änderungen zu verkraften. 2011 ersetzte der Bassist Thomy Jordi  Björn Meyer, der sich dem Ensemble von Anouar Brahem anschloss. Ein Jahr später verabschiedete sich Perkussionist Andi Pupato, so dass die Besetzung vom Quintett zum Quartett getrimmt wurde. Dadurch hat sich Ronin allmählich zu einer subtil anderen Band entwickelt. Zu einer schlankeren, nur noch agileren Kreatur. „Awase“ heißt das aktuelle Album, wieder erschienen bei ECM. Es ist ein weiterer vorläufiger Höhepunkt im Schaffen des Nik Bärtsch, der das Stadttheater nun zum insgesamt dritten Mal besucht.

Eröffnet wird der Abend von einem ehemaligen Ronin Mitglied, von Bassist Björn Meyer. Der Soloauftritt von Björn Meyer wird sicherlich viele vorgefasste Meinungen darüber, wie eine elektrische Bassgitarre als Soloinstrument zu klingen hat, in Frage stellen. Tief pulsierende Atmosphären, beinahe kosmische Klangwelten, nordisch inspirierte Volkslieder, archaisch klingende Hymnen und stark rhythmische Pattern-Strukturen verschmelzen zu einer unverkennbaren Einheit. Mit den gesammelten Erfahrungen von mehr als 30 Jahren intensiver Auseinandersetzung mit dem Bass als Hintergrund, eröffnet das Programm einen völlig neuen Zugang zu einem Instrument, von welchem man gemeint hat, es bereits zu kennen. In seiner Soloarbeit fasziniert ihn besonders das Zusammenspiel von elektronisch erzeugten Klängen und dem jeweiligen Konzertraum: „Obwohl das Instrument rein technisch gesehen nicht akustisch ist, wird die Musik stark von den Eigenschaften des Raums, in dem sie gespielt wird, beeinflusst. Die ganz unterschiedlichen Weisen, auf die die Akustik auf meine Kompositionen und Improvisationen einwirkt, waren schon immer Quelle der Überraschung und Inspiration. Es gibt definitiv einen zweiten Mitspieler in diesem Solo-Projekt – das ist der Raum!“ (Björn Meyer) Und, dass der Raum des Stadttheaters ein guter Mitspieler ist, hat er schon des Öfteren unter Beweis stellen dürfen.