Die wichtigste Sequenz dieses Dokumentarfilms ist alles andere als dokumentarisch. Der Australier Tony Rinaudo, der 2018 den alternativen Nobelpreis erhielt, erzählt im Off, wie ihm die Idee kam, in Afrika eine versteppte Landschaft wieder aufforsten zu können. Zuvor, so schildert ein Rückblick, hatte er es bereits konventionell versucht – mit Tausenden von Setzlingen, die aber nur zu einem geringen Prozentsatz überlebten. Und dann setzt ein kleiner Animationsfilm ein, der beschreibt, wie Rinaudo mit seinem Pick-up auf einer Sandpiste hielt – und ein kleines Gewächs bemerkte. Das allerdings entpuppte sich nicht als ein Busch, sondern als Trieb eines abgeholzten Baumes. Viele Bäume sind in Afrika abgeholzt worden, um Platz zu schaffen für Äcker, doch der Boden erodierte. Rinaudo realisierte, dass das Wurzelwerk der abgeholzten Bäume unter den Stümpfen noch lebte, wie ein unterirdischer Wald. In der Republik Niger, einem der ärmsten Länder der Welt, begann Rinaudo seine Arbeit und konnte sechs Millionen Hektar sechs Millionen Hektar begrünen. Die Bäume schaffen Schatten, schützen vor Sandstürmen, erzeugen einen feuchteren Boden. Volker Schlöndorff begleitet Tony Rinaudo auf einer längeren Reise durch Afrika und filmt die Treffen mit den Dorfbewohnern. Rinaudo spricht die Landessprache, die Menschen scheinen Vertrauen zu ihm zu haben. Schlöndorff benennt die Probleme der jeweiligen Region: Abholzung, Migration vom Land in die Stadt, die Einführung falscher Nahrungspflanzen, das Scheitern von Großprojekten wie der Grünen Mauer, ein 7000 Kilometer langer Grünstreifen durch die Sahara. Er hat außerdem Beiträge afrikanischer Regisseurinnen und Regisseure integriert, was den mosaikartigen Zuschnitt von DER WALDMACHER verstärkt und sehr eindringlich macht.

 

 

 

Filmforum

Der Waldmacher

  • Volker Schlöndorffs großer Dokumentarfilm kreist um die Wiederaufforstung in Afrika.
  • R+B: Volker Schlöndorff – K: Paapa Kwaku Duro, Jean Diouff – M: Bruno Coulais, Ablaye Cissoko – Deutschland 2021, L: 90 Min. FSK 0