Der Ausgangspunkt von „Germania. Römischer Komplex“ (UA) ist Tacitus’ ethnographischer Bericht „Germania“, erschienen Ende des ersten Jahrhunderts n. Chr. In seiner Gegenüberstellung des Römischen Reiches mit, aus seiner Sicht, dem Fremden per se, dem Germanen, postulierte Tacitus eine undurchlässige Grenze, die bis heute eine Blaupause für die Erfindung des Fremden ist. Nicht ohne Grund wird dem Text nachgesagt, einer der gefährlichsten unseres Kulturkreises zu sein.

Macht will vergessen, der Dichter will erinnern. Mit Texten von Durs Grünbein, Antonella Anedda, Frank Bidart und Tacitus im Gepäck begibt sich Simone Derai zurück zum Knochenfeld der Varusschlacht. An den Ort, an dem für sie die gemischten Gebeine der gefallenen Römer und Germanen von den gemeinsamen Geschicken derer berichten, die damals wie heute Ländergrenzen schützen oder überschreiten.

Das italienische Kollektiv Anagoor gehört zu den kontinuierlichen künstlerischen Kollaborateuren des Theaters an der Ruhr. Ihre bildgewaltigen, hochmusikalischen und international gefeierten Arbeiten waren mehrfach am Theater an der Ruhr zu Gast. Nach „Sokrates der Überlebende“ folgt mit „Germania. Römischer Komplex“ ihre zweite Inszenierung am Theater an der Ruhr. Anagoor ist u.a. Gewinner des Silbernen Löwen der 46. Internationalen Theaterbiennale von Venedig.

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=cggDvAijgME

Theater

Germania. Römischer Komplex (UA)

  • Theater an der Ruhr & Anagoory
Regie Simone Derai
Es spielen Simone Thoma, Bernhard Glose, Marco Menegoni, Roberto Ciulli
Schauspieler im Video Petra von der Beek, Dagmar Geppert, Klaus Herzog, Fabio Menéndez, Steffen Reuber, Gabriella Weber