Diese Frage versucht Paul Hegeman in seiner Dokumentation zu beantworten, die dezidiert keine klassische Biographie ist, sondern sein Subjekt umkreist und sich ihm behutsam annähert. Er ist einer der meistaufgeführten Komponisten weltweit. Und dennoch tritt er nur selten in der Öffentlichkeit in Erscheinung, schweigt am liebsten zu seiner Musik, fühlt sich in den Wäldern Estlands zu Hause und erzeugt damit unfreiwillig das Image eines Einsiedlers. Arvo Pärt wurde 1935 in einer estnischen Kleinstadt geboren. Früh begann er, sich für Musik zu interessieren, studierte, arbeitete als Tontechniker begann zu komponieren, beeinflusst von Schostakovich, Bartók, später auch Schönberg. Anfang der 80er Jahre wurde Pärt zur Emigration gezwungen, ließ sich in Wien nieder (inzwischen besitzt er die österreichische Staatsbürgerschaft), lebte lange Jahre in Berlin und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten, einflussreichsten Komponisten neuer Musik. Wie schwer es ist, zu beschreiben, wie ein abstrakter Gegenstand wie Musik funktioniert, welche Emotionen sie auslöst, mag auch erklären, warum Arvo Pärt kaum das Wort ergreift. Statt das kaum mögliche zu versuchen und in Worte zu fassen, was Pärt durch seine Musik sagt, beobachtet Hegeman den Komponisten mal bei einem Cello-Oktett in Amsterdam, mal mit jungen Gesangstudenten. Als unprätentiöser Mann erweist sich Pärt hier, der sich augenscheinlich wenig aus Ruhm und Wohlstand macht, sondern ganz in seiner Arbeit aufgeht. Die Dokumentation “Das Arvo Pärt Gefühl“ ist der gelungene und unbedingt sehenswerte Versuch einer Annäherung an ein einzigartiges Werk.

 

Filmforum

That Pärt Feeling – Das Universum von Arvo Pärt OmU engl.

  • Was macht die Faszination für die Werke des estnischen Komponisten aus?
  • R+B:Paul Hegeman – Niederlande 2019, L: 79 Min. FSK 0